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Martinus und Valentin Tomberg - und Leibniz

Kosmogonie @, Freitag, 03. Juli 2020, 13:08 (vor 113 Tagen) @ Uwe Todt

Er wollte ihnen die Verzweiflung und den Schmerz nehmen, der sie angesichts des oft so hoffnungslos erscheinenden Lebens erfüllte und ihnen das Gute bringen, indem er ihren Blick von ihrer persönlichen lokalen Perspektive zu der Kette ihrer Wiederverkörperungen und dem zwischen den Verkörperungen liegenden geistigen Leben erhob und ihnen zeigte, in welch wunderbarer Weise der Geist der Welt (Martinus nennt ihn Gott) alles ineinander webt und erlösend weiterführt.

Es gibt eine riesige, nicht mehr überschaubare Zahl von Büchern und Autoren, über die sich Ähnliches sagen läßt. Neuerdings etwa Christina von Dreien.

Im Übrigen ist die Frage, wer der von Steiner vorhergesagte Boddhisattva war, für mich von keinem besonderen Interesse. Das Werk soll ja aus sich selbst überzeugen, und nicht aufgrund von Autorität.

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Dabei erweiterte er das okkulte Wissen.

Ist das wirklich okkultes Wissen? Martinus war, wie Sie selbst bestätigen, ein Exoteriker. Insofern kann es sich nicht um okkultes Wissen handeln. Was er vorgelegt hat, ist ein philosophisches welterklärendes System, also ein Gedankensystem, das auf den ersten Blick widerspruchsfrei erscheint, bei tieferem Eindringen dann aber doch Widersprüche zeitigt.

Dieses System beruht im Wesentlichen auf einem durchaus originellen Gedanken - dem der Selbstähnlichkeit als Verschachtelung -, den es aber ins Uferlose ausreizt und letztlich, wie mir scheint, ad absurdum führt. Das ist übrigens typisch für alle philosophischen Systeme.

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Er erweiterte die Geheimwissenschaft Steiners und der Theosophen um die Entwicklungen, die vor der Saturnentwicklung liegen und die auf die Vulkanentwicklung folgen,

Da sehe ich einen argumentativen Fehler. Man kann nur erweitern, was man kennt. Martinus kannte aber die theosophischen und anthroposophischen Ideen nicht. Was er getan hat, ist lediglich, einen bestimmten systembildenden Gedanken grenzenlos zu extrapolieren. Somit hat er "nur" konstruiert. Auf diese Weise vor den Saturn und hinter den Vulkan zu gelangen, ist selbstverständlich möglich.

Ich hoffe, daß Sie mir zustimmen können, wenn ich sage, daß zwischen Konstruktion und Erkenntnis ein wesentlicher Unterschied besteht. Konstruieren, und zwar so, daß es innerhalb von Grenzen widerspruchsfrei bleibt, kann man Vieles. Für eine Erkenntnis - sie mag wahr oder erlogen sein - genügt das aber nicht. Sie muß zu einem Ergebnis kommen, welches auf konstruierende Weise nicht - oder nur rein zufällig - zu erreichen ist. So kann man zwar behaupten, daß die 7er-Kreise in den Darstellungen von Sinnett bis Steiner konstruiert seien. Aber Steiners Beschreibungen der seelischen Erlebnisse der dahinterstehenden hierarchischen Wesen individualisieren die einzelnen Schritte derart, daß sie ihre reine Gedanklichkeit verlieren. Es ist offensichtlich, daß Steiner da etwas erlebt, und nicht (nur) konstruiert hat.

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Er zeigte den Sinn der Geschlechtertrennung auf und verkündete den Prozess der sich bereits zu vollziehen beginnenden Wiedervereinigung der Geschlechter.

Das ist es, woraus ich einen wirklichen Gewinn gezogen habe. Nicht so sehr durch wirklich neue Einzelheiten, vielmehr durch die breite und insofern erhellende Darstellung.

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Ich bedaure, daß Sie, Herr Todt, bisher nicht auf meine Gedanken eingegangen sind, die ich in anderen Einträgen dieses Threads zum Martinus-Thema geäußert habe. Eigentlich wollte ich ein vorläufiges Resümee in die Hauptlinie stellen. Ich gebe das Resümee an dieser Stelle:

Ich komme immer mehr zur (experimentellen) Vorstellung, daß Martinus eine Wiederverkörperung von Leibniz war. Denn dieser hat mit seiner "Monadologie" die Idee, daß die Welt sich aus beseelten Atomen zusammensetzt, gestuft von zuunterst bis hinauf zu Gott, wohl zuerst ausgeführt, vgl. meine Erwähnung hier. Er war Mathematiker, sozusagen also "zahlenorientiert", Rationalist, und er war Optimist.

Es gibt also gewisse Bezüge zwischen Leibniz und Martinus, die ich noch untersuchen will, und die mich veranlassen, Martinus nicht gleich "abzuhaken". Davon abgesehen würde ich gerne die Diskussion mit Ihnen fortsetzen, sofern Sie dafür offen sind und einen Sinn darin sehen.


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