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Wesen - Ich, Denken, Gedachtes - Allwissenheit

Kosmogonie @, Freitag, 26. Juni 2020, 11:35 (vor 123 Tagen) @ Uwe Todt

Die Welt der Erscheinungen darzustellen, seien es physische, ätheriscshe, astralische oder geistige Erscheinungen, wozu auch die von Ihnen aufgeführten Wesen gehören, ist nicht das Anliegen von Martinus. Dazu gibt es Literatur in Hülle und Fülle.

Nun, damit hat sich Ihre Ausgangsfrage ("Wieso ordnen Sie das Weltbild von Martinus bei "wesenlose Weltbilder" ein?") offenbar erledigt. Im Fortgang haben Sie ein ganz neues Thema begonnen, zu dem ich mich gleich gesondert äußern werde.

Aber bleiben wir doch noch kurz bei der Wesens-Frage. Ihre Selbstbeantwortung, das sei nicht Martinus' Thema gewesen, befriedigt mich nicht. Denn wenn Martinus den Kosmos und dessen Werden beschreibt, und das tut er sehr ausführlich, dann beschreibt er etwas, was uns zumindest teilweise auch erscheint. Und das hätte er nicht getan, wenn das nicht (auch) sein Anliegen gewesen wäre. Und da fehlt mir einfach ein Teil, nämlich die Wesen, welche Taten vollbringen.

Zur Verdeutlichung und zum Vergleich zitiere ich aus der Hauptseite, Unterseite Saturn, ein paar Sätze von Valentin Tomberg:

Die Verwandlung, die in der Mitte der Saturnentwicklung stattgefunden hat, die Änderung der Entwicklungsrichtung, war nicht nur ein bloßes Drehen im Kreise. Es dreht sich in der Welt überhaupt nichts - alles in der Welt sind Taten von Wesen und von Gruppen von Wesen. Wenn also die Saturnentwicklung einen Aufstieg erfahren hat, so bedeutet das eine Tat. Und was da als Tat geschehen war, das war, daß ein geheimnisvolles Wesen in der Mitte der Saturnentwicklung, in der eisigsten Kälte, die Verwandlung dieser Kälte in Willenswärme bewirkte.

Lesen Sie das am besten den ganzen Tomberg-Text, von dem ich jetzt nur das Nötigste wiedergegeben habe. Es entsteht ein ganz anderer Eindruck, eine andere Stimmung als bei Martinus. Da ist es Prosa; bei Tomberg ist es Drama.

Ein anderer Vergleich wäre die Geschichtsschreibung: Man kann die Geschichte als Struktur (Altertum, Mittelalter, Neuzeit) darstellen, vielleicht noch fraktale Strukturen darin aufzeigen; man kann aber auch noch die Männer beschreiben, von denen wir annehmen, daß ohne sie die Geschichte anders verlaufen wäre. Für viele Menschen wird Geschichte überhaupt erst dadurch interessant, weil dramatisch. Entsprechendes gilt für die Kosmogenese. Martinus stellt sie dar als ein Programm, das einfach abläuft. Tomberg stellt sie dar als ein Geschehen, das immer auch anders hätte ablaufen können.

(Ähnlich sieht es auch "der Große" - ein michaelischer Engel oder Erzengel - im Gespräch mit Verena Stael von Holstein und Wolfgang Weirauch: Als Christus seine Höllenfahrt antrat, hielten die Wesen des ganzen Kosmos gleichsam den Atem an, und die Naturwesen tun es jedes Jahr und jedes auf seine Weise; höchste Spannung!)

Aber nun gut. Ich kann dem Martinus nicht vorwerfen, daß er seine eigene Sichtweise hat. Ich wollte sein Weltbild einfach nur grob charakterisieren und einordnen, und kam somit auf die - freilich negative - Charakterisierung: Wesenlose Weltbilder.

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Martinus geht es darum, zu erklären, wie die Welt der Erscheinungen hervorgerufen wird.

Das ist also ein neues Thema. Es erscheint mir sehr bedeutsam und hat mich schon bei Lektüre Ihrer Bücher sehr angeregt und weitergeführt, aber es gibt mir momentan keinen Anlaß zu Fragen oder Einwänden. Außer, was Ihren letzten Satz betrifft:

Ein Eingeweihter vom Format von Martinus, ist sich des Wahrnehmens bewusst geworden. Damit kann er sich in jede Wahrnehmung außerhalb von Raum und Zeit versetzen und sie willkürlich hervorrufen.

Also er ist allwissend. So wurde mir das auch in der Martinus-Arbeitsgruppe gesagt. Na, da kommen mir aber Zweifel.

In Ihrer Martinus-Biografie erwähnen Sie die Begegnung mit Krishnamurti in Indien. Diese Begegnung ist für Martinus nicht so verlaufen wie verhofft, vielmehr enttäuschend, ja peinlich, denn der Angesprochene hatte offensichtlich keine Interesse, auf die einleitende Frage von Martinus einzugehen, und wandte sich einfach ab. Nun, das kann vorkommen. Da aber Martinus der Meinung war, mit Krishnamurti karmisch verwandt oder bekannt zu sein, wirft dieses Ereignis die Frage auf, ob die karmische Beziehung vielleicht doch nur ausgedacht war.

Einen ähnlichen Eindruck bekam ich durch Ihre Schilderung der letzten Tage von Martinus. Sein jugendlicher Betreuer erhielt einen Anruf, nahm den Hörer ab, hielt den Anrufer für betrunken, und legte wieder auf. Er merkte nicht, daß der Anrufer Martinus war, welcher sich jetzt in einer unverhofft hilflosen Lage befand. Tragisch, könnte man sagen, und: sowas passiert immer und überall. Nur, daß es dem Martinus passierte, das wird wohl jeden Leser überraschen.

Das soll kein Einwand gegen die Glaubwürdigkeit von Martinus' Mitteilungen zur Kosmogenese oder zu seinen vergleichsweise sehr hohen Erkenntnisfähigkeiten sein. Ich erwähne es nur, weil solche Einzelheiten, weil emotional anrührend, nach der Lektüre bevorzugt hängenbleiben. Sie formen das Martinus-Bild nicht negativ, sie verlebendigen es vielmehr.


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