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Mein Resümee: Kein "kosmisches Wissen", sondern den Kosmos behandelnde Systemphilosophie

Kosmogonie @, Freitag, 10. Juli 2020, 13:36 (vor 106 Tagen) @ Kosmogonie

Was Martinus vorgelegt hat (soweit mir bekannt aus den Darstellungen von Uwe Todt) ist ein philosophisches welterklärendes System von großartiger Ordnung und Übersichtlichkeit. In gewisser Weise verkörpert es den Kosmos in seiner Wortbedeutung u.A. von "Ordnung" und "Schönheit". Aber nichts weist für mich darauf hin, daß es aufgrund von höheren Erkenntnissen (im Sinne Steiners) gewonnen wurde. Es ist ein Gedankensystem wie alle derartigen - philosophiegeschichtlich als überwundenen geltenden - Systeme, und es scheitert folglich wie diese an inneren Widersprüchen. Das ist auch dem Darsteller Uwe Todt aufgefallen. So läßt sich die Welt der Atome (Atom/Stoff-Spirale) zwar irgendwie mit der Welt der Sonnensysteme (Sonnensystem-Spirale) in Parallele setzen, aber bei tieferem Eindringen in die Welt der Atome und der Sonnensysteme merkt man, daß die Parallelisierung ein ziemlicher Gewaltakt ist, mit der sich wohl kein Mikro- oder Makro-Physiker einverstanden erklären würde.

Obwohl die Idee der Reinkarnation in diesem System eine große Rolle spielt, bin ich der Meinung, daß es nicht wirklich dem Okkultismus (üblicherweise "Esoterik" genannt) zuzuordnen ist. Denn dann müßte es zum Gegenstand auch die Wesen der höheren Welten (also der Lebens-, Astral- und noch höherer Welten) zum Gegenstand haben. Solche Wesen sind zwar Bestandteile des Martinus-Systems, aber das nur in dem abstrakten Sinne, wie sie es auch in den philosophischen Systemen, etwa der Monadologie von Leibniz, gewesen sind. Aus diesem Grunde habe ich dieses System in meiner Überschrift als ein Beispiel für "wesenlose Weltbilder" aufgeführt. Die "Wesen" von Martinus erscheinen ähnlich abstrakt wie Atome, ja sind teilweise mit ihnen identisch.

Im Grunde handelt es sich um ein materialistisches System, in welchem die Materie um das Element einer abstrakten Wesenhaftigkeit erweitert worden ist.

Konsequenterweise fehlt nicht nur eine Beschreibung der Erkenntnis-Methode. Nirgends ist die Rede von etwas, das der imaginativen, inspirativen, intuitiven Erkenntnis bei Steiner entspricht. Martinus erklärt sogar, daß ein aktives Bemühen zur Erlangung dieser Erkenntnisse unnötig sei.

Nach alledem kann ich nicht zustimmen, wenn Uwe Todt hier von "Kosmisches Wissen" (so einer seiner Buchtitel) spricht. Wissen muß überprüfbar sein. Vielmehr handelt es sich um ein beeindruckendes welterklärendes Modell, welches dem Leser durch seine "kosmische" Schönheit Befriedigung gewähren kann, aber den nach höheren Erkenntnissen Strebenden nicht unbedingt zufriedenstellt.


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