Wesenlos?

Uwe Todt, Freitag, 26. Juni 2020, 09:41 (vor 123 Tagen) @ Kosmogonie

Die Welt der Erscheinungen darzustellen, seien es physische, ätheriscshe, astralische oder geistige Erscheinungen, wozu auch die von Ihnen aufgeführten Wesen gehören, ist nicht das Anliegen von Martinus. Dazu gibt es Literatur in Hülle und Fülle.

Martinus geht es darum, zu erklären, wie die Welt der Erscheinungen hervorgerufen wird. Ich möchte das am Menschen erklären, denn den Menschen kennen wir von allen Wesen am Besten. Beim Menschen möchte ich wiederum vom Ich ausgehen, denn jeder, der diesen Text lesen und verstehen kann, kann nach der Lektüre entweder sagen "Ich habe den Text verstanden" oder "Ich habe den Text nicht verstanden".
Wenn er diesen Satz formuliert, vollzieht er eine denkende Tätigkeit. Durch Denken bringt er Gedanken in die geistige Erscheinungswelt, nämlich einen der beiden oben genannten Sätze.
Damit keine Missverständnisse aufkommen, möchte ich hier einschieben, dass ich das
Denken für meine Erläuterungen wähle, weil wir im Denken am bewusstesten sind und
das, was ich sagen möchte, leichter verstehen können, wenn ich es am Denken
erläutere. Ich könnte es aber auch am Wahrnehmen, am Fählen, am Wollen oder am
Erinnern erklären.

Ich bin es, der bewusst denkt. Nur wenn ich es will, wenn ich z.B. Klarheit gewinnen will, beginne ich bewusst zu denken. Das Ich ist also da, bevor ich mit dem Denken beginne. Dann führe ich eine Tätigkeit aus, ich denke. Das ist das zweite, was zum Denken dazugehört. Das Ich ist kein Gedanke, denn es ist bereits da, bevor ich zu denken beginne. Das Denken ist auch kein Gedanke, denn es bringt ja erst die Gedanken hervor. Gleiches gilt für das Ich und das Wahrnehmen, das Fühlen, das Wollen oder das Erinnern. Wir haben also beim Denken drei Glieder: Den Denkenden (das Ich), das Denken und das Gedachte (die Gedanken). Die ersten beiden Glieder sind unwahrnehmbar, darum werden sie auch in der Regel nicht beachtet. Sie sind aber das Wesen der Sache.

Hiergegen kann man einwenden: Wenn das Ich und die Tätigkeit des Denkens, des Wahrnehmens usw. unwahrnehmbar sind, wie will man dann von ihnen wissen? Es können doch nur Gedankenkonstruktionen sein, denn sonst wären sie doch wahrnehmbar. Oder?
Alles Wahrnehmen vollzieht sich nach dem Kontrastprinzip (Ausdruck von Martinus). Wir wissen von der Dunkelheit erst durch das Licht. Ein von Geburt an Blinder weiß nichts von der Dunkelheit, in der er lebt. Ein von Geburt an Tauber weiß nichts von der Stille. Um die Stille erfahren zu können, muss er erst einmal Geräusche gehört haben. Nun gibt es aber einen Urkontrast, der uns nicht zum Bewusstsein kommt. Es ist der Kontrast zwischen dem Erscheinenden und dem Erscheinungslosen. Das Erscheinungslose sind das Ich und die Tätigkeiten des Ichs, also das Denken, das Wahrnehmen, das Fühlen usw.
Ein geistig Erwachter kann sich als Erstes seines Ichs bewusst werden. Damit ist das Ich kein Gedanke mehr, sondern eine innere Erfahrung, die den Kontrast zu dem Nichtich der Außenwelt bildet. Ebenso kann er sich seines Denkens bewusst werden. Wohlgemerkt des Denkens selbst, nicht der Gedanken. Damit beginnt er wirklich bewusst Denken zu können. Ein Eingeweihter vom Format von Martinus, ist sich des Wahrnehmens bewusst geworden. Damit kann er sich in jede Wahrnehmung außerhalb von Raum und Zeit versetzen und sie willkürlich hervorrufen.


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