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Kosmogonie @, Sonntag, 03. Juli 2016, 13:57 (vor 868 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Kosmogonie, Sonntag, 03. Juli 2016, 14:31

Man kann den grundsätzlichen Unterschied zwischen Goethes und Husserls Phänomenologie kurzerhand so definieren: [...]

Jetzt bin ich aber verblüfft! Ich erkenne in deiner Be-, besser Abwertung die Philosophie von Husserl nicht wieder. Wie mir scheint, hast du es hier gemacht, wie Steiner es oftmals auch gemacht hat: Nichts oder fast nichts im Original gelesen, ein gehörtes oder aufgelesenes Vorurteil übernommen, und dies zum Dogma ausgebaut. Das hatte ich von dir nicht erwartet!

Natürlich steht diese Haltung in krassestem Widerspruch zur Forderung nach Unbefangenheit und Vorurteilslosigkeit, die gerade Steiner so gerne und häufig den Andersdenkenden entgegentrug.

Was Goethe betrifft, so will ich über ihn keinesfalls urteilen, weil ich ihn nicht gründlich genug gelesen habe. In diesem Falle verbietet sich jedes eigene Urteil. Wenn ich stattdessen einfach übernehmen würde, was Dritte, Steiner etwa, über ihn geschrieben haben, so handelte es sich um ein bloßes Vorurteil. Allerdings brauche ich auch nicht zu polarisieren, um den Wert einer Position anzuerkennen.

Was du der Phänomenologie H.s zuschreibst - es würde gar nichts bringen, dies detailliert zu diskutieren -, so handelt es sich so ziemlich um das Gegenteil von dem, was sie - anerkanntermaßen! - wirklich auszeichnet. Es handelt sich vielmehr um ein Feindbild, so wie Steiner es, grob verzerrend, von Kant gezeichnet hat, um sich selbst ein Profil zu geben. Selbst die vehementesten Gegner Husserls haben ihn niemals total verdammt, nur auf Fehler hingewiesen. Steiner selbst war daher auch klug genug, sich auf keine Auseinandersetzung mit Husserl einzulassen, sondern nur zuzugeben, daß er mit ihm nichts anfangen könne. Kant war ja schon tot, der konnte sich nicht mehr verteidigen; Husserl hätte es gekonnt.

Aber bleiben wir bei Frits Julius, um den geht es ja. Ich werde, wie gesagt, die Werke, die ich von ihm habe (u.A. über die sieben Baumtypen), nochmal lesen, und weitere hinzuziehen. Daß ich deine Begeisterung für ihn teile, schrieb ich ja schon zweimal. Irgendetwas, das meine Kritik herausgefordert hätte, habe ich bei Julius nicht gefunden.

Allerdings muß ich herausstellen (so weit das noch nicht klar ist), daß es mir letztlich um den Erkenntnis-Fortschritt geht. Man kann und sollte die Leistungen eines Autors würdigen, aber man würdigt ihn am ehesten, wenn man versucht, über ihn hinauszugehen. Das ist es, was die Steinerianer nicht verstanden haben, Anthroposophen wie Tomberg aber schon. Anthroposophie ist mehr (sollte zumindest mehr werden) als das, was in der GA begraben liegt.

Mit den besten Grüßen!
Thomas


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