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Eine sexistische Behauptung ("Männer ähneln Affen mehr als Frauen") und ihre Widerlegung.

Kosmogonie @, Sonntag, 08. Mai 2016, 14:10 (vor 924 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Kosmogonie, Sonntag, 08. Mai 2016, 14:45

Vor wenigen Jahren behauptete die "Rheinische Post" in ihrer Online-Ausgabe: Männer ähneln Affen mehr als Frauen und leitete ihren "Bericht" denn auch mit den Worten ein:

Hamburg. Manche mögen das insgeheim schon immer geahnt haben: Männer und Affen sind sich ähnlicher als Männer und Frauen. Zu diesem Ergebnis kommen neueste Forschungen.

Soll man der Lügenpresse glauben? Besser nicht. Erfreulicherweise hat sich auch gleich ein Blogger zu Wort gemeldet, der die Sache richtigstellte. Nämlich Anatol Stefanowitsch in seinem Artikel Wie man Männer zu Affen macht. Anhand einiger Grafiken stellt er sehr anschaulich dar, daß die Behauptung der "Rheinischen Post" völlig danebengeht. Bitte gründlich lesen, denn solche Lehrbeispiele sind (erwachsenen-)pädagogisch wertvoll!

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Davon abgesehen bleibt es natürlich problematisch, den Menschen überhaupt aus dem Affen genetisch abzuleiten und sodann die äußere Ähnlichkeit zu einer inneren zu erklären. Insbesondere der molekularbiologische Beweis überzeugt mich nicht.

So wurde zu einem ähnlichen Thema, dem der Menschen-Rassen, argumentiert, daß die Verwandtschaft im Genom zwischen einem Weißen und einem Neger ausgeprägter sein könne als zwischen zwei Weißen, die aus demselben (z.B. bayrischen) Dorf gebürtig sind. Es gäbe also keine Menschenrassen. Aber was besagt dieser Beweis Anderes, als den Menschen biologistisch zu reduzieren? Rassen sind Phänomene, die Eindrücke erzeugen und somit wirken. Sie können nicht widerlegt werden, sowenig wie Rassismus oder Antirassismus.

Noch konsequenter wäre der Beweisgang einer Nichtexistenz von Menschen-Rassen, wenn man sich auf die mineralische Zusammensetzung der Leiber beschränkt. Hätte ich gerade eine versalzene Suppe eingenommen und mein schwarzer Freund in Afrika auch, dann wären wir beide uns im Natrium-Gehalt viel "verwandter" als ich und mein Sohn, der heute zufällig nichts als Negerküsse gegessen hat. - Oder mein afrikanischer Freund trägt zufällig Kleider derselben Marke. Also mit mir verwandt? Natürlich nicht.

Was in solchen Debatten grundsätzlich vergessen (oder geleugnet) wird, ist, daß das Tier mit seinem Körper identisch ist, der Mensch aber nicht. Der Mensch wählt sich vorgeburtlich aus einer Erblinie einen Körper, zu dem er möglichst gut paßt. Die Lösung ist immer nur annähernd, weil eben nicht beliebig viele passende Erblinien zur Verfügung stehen, und noch weniger Eltern, die gerade ein Kind haben wollen, und noch weniger Eltern, die ihren Kindern die besten Chancen bereitstellen können.

Der Anti-Rassismus, der sich in der Leugnung von Rassen übt, ist zwar ein Schritt weg vom reinen Biologismus, aber er ist nicht konsequent. Denn man kommt nicht allein durch Leugnung von Rassen (oder gar Geschlechtern) zur unsterblichen menschlichen Individualität.

Es hat ja auch keinen Zweck, die Tatsache verschiedener Automarken zu leugnen, um zu beweisen, daß der Mensch auch als Nicht-Autofahrer existiert.


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