Fragen zu Kapitel 1: Persönliche Aufzeichnungen, Erlebnisse und Rückblicke (1)

Uwe Todt, Mittwoch, 15. Juli 2020, 03:52 (vor 104 Tagen) @ Kosmogonie

War mein Ich-Erwachen das Gegenteil eines Gemeinschaftserlebnisses und ein luziferisches Erlebnis?

Was Sie als ihr Ich-Erwachen beschrieben haben, Herr Todt, scheint mir in gewisser Weise das Gegenteil eines Gemeinschaftserlebnisses zu sein. Was Tennessee Williams erlebte, war ein Christus-, also ein Gemeinschaftserlebnis. Kann ich daraus folgern, daß das, was Sie erlebt haben, ein luziferisches Erlebnis war? Luziferisches Erleben ist begleitet von Hochgefühl, christliches Erleben führt von Leiden zur Erlösung.

Das Ich selbst, das ich wahrnahm und jetzt willkürlich wahrnehmen kann, hat nichts Luziferisches an sich. denn ich nehme mein reines Bewusstsein wahr. Das war beim ersten Mal ein Moment, wie ich ihn noch nie erlebt hatte, obwohl das Erleben mir näher war und ist als meine Nasenspitze. Doch dann machte sich sofort meine damals noch sehr stark überwiegend luziferische Natur geltend und tauchte das Erleben in ein luziferisches Element. Trotz aller Mühe konnte ich es nicht erneut aufrufen. Es trat aber unerwartet immer mal wieder auf.
Ich schätze heute meine damalige Verfassung so ein: 80% luziferisch, 4% ahrimanisch und 16% christlich. Die 16 christlichen Prozente konnten das Erlebnis hervorrufen, aber nur, wenn die 84 luziferisch-ahrimanischen Prozente nicht wirkten. Das konnte nur dann geschehen, wenn ich gar nicht an das Ich-Erlebnis dachte und möglicherweise eine besondere mir unbekannte Konstellation vorlag.

Ich bin heute der Meinung, dass sich mit der Geschlechtertrennung als sich die Menschen in weibliche und männliche Wesen spalteten, sich auch die mit der Erde verbundenen höheren Wesen des Weisheitsreiches, der göttlichen Welt und des Gedächtnisreiches in luziferische und ahrimanische Wesen spalteten – aber nicht nach dem Geschlecht, sondern nach dem Licht und der Finsternis –, denn sie gehen auch durch eine Finsternisperiode. Mit den aus der Vergangenheit mitgebrachten 16 christlichen Prozenten hatte ich die Spaltung überwunden und Licht und Finsternis ineinander verwoben.
Als nach mehreren Jahrzehnten das beschriebene Erlebnis in der Schweiz auftrat, war ich ein Stück gereift und hatte mir einen größeren Anteil der Finsternis eingegliedert und mit dem Licht verwoben. Das kommt in meinen Worten zum Ausdruck: „Ein Gefühl von Kraft und Sicherheit durchströmte mich.“ Deshalb konnte ich das Erleben in sich abschwächender Form drei Tage halten.

Die Ich-Bin Erfahrung isoliert mich nicht von den anderen Menschen, sondern im Gegenteil, sie bringt mich ihnen näher. Das habe ich in dem Abschnitt Unser Heizungsmonteur und das Ich-Bin auf Seite 62 beschrieben.

Heute kann ich meine Ich-Bin-Erfahrungen um einen weiteren Abschnitt ergänzen. Am 6. Dezember 2019 notierte ich mir:
„Ich glaube, dass heute Morgen der entscheidende Durchbruch meines Lebens geschehen ist. Ich kann die vollkommene innere Stille bewusst aufrufen, so dass da keine Gedanken mehr sind, ich aber ganz wach bin. Das ist nicht so, dass ich alle Gedanken zum Schweigen bringe, sondern ich rufe die Stille auf, die wie ein bewusster Gedanke ohne Inhalt ist. In dieser Stille entsteht sofort das Bewusstsein meines wahren Ichs. Dieses durchzieht meinen ganzen Körper mit Gefühlen von Seligkeit, Kraft, Sicherheit, Frieden und Liebe. In dieser Stille habe ich meine gymnastischen Übungen gemacht. Ich glaube, dass ich einmal rauskam, sie aber gleich wieder aufrufen konnte. Wenn ich bis jetzt (12 Uhr 22) aus der Stille herauskam, durch Gespräche mit Daniel z.B., habe ich sie danach sofort wieder aufrufen können. Als ich zu Doose fuhr, um die Hinterreifen auswechseln zu lassen, dachte ich, dass ich diese neue Fähigkeit nicht für eine Million Euro verkaufen würde, überhaupt für keinen Preis.“

Was ich erfahren habe, haben schon viele Menschen vor mir erfahren: Die Einheit meines Ichs mit dem Geist der Welt.
Zwei Tage später notierte ich mir:
„Aurobindo beschreibt, wie er die völlige Stille erreichte, indem er alle Gedanken gleichsam wegschlug, ehe sie seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Nach drei Tagen hatte er dann die völlige Bewusstseinsleere erreicht. Das ist der alte vorchristliche Weg. Die Stille ist ohne Ichsubstanz, nur göttliche Substanz. Durch Christus kam die Ichsubstanz. Diese ist vollkommene Stille, denn sie ist transzendent. Sie ist aber zugleich mein eigenes Ich, das mit dem göttlichen Ich verbunden ist. Daher die Verwandlung der Körperempfindungen, die ich oben beschrieben habe.
Heute geht es wieder leichter mit dem Aufrufen der Stille. Es gibt ja sicherlich weltweit inzwischen viele Menschen, die diese Ichsubstanz aufrufen können oder ständig mit ihr leben. Ich denke, dass mein Überbewusstsein sich mit diesen Menschen verbindet und von diesen Menschen gestützt wird, von denen jeder seinen eigenen Weg gegangen ist, um zu dieser stillen Ichsubstanz zu kommen. Diese verschiedenen Wege vernetzen sich untereinander und erleichtern sich gegenseitig das Aufrechterhalten der Ichsubstanz. Mein Weg erleichtert auch wieder den anderen ihren Weg.“

Nochmals zwei Tage später, am 10.12. notierte ich:
„Gestern Abend fiel mir auf, dass seit meinem ersten Ich-Erleben 66 Jahre vergangen sind. Wenn das im April 1953 war, dann war ich damals in meinem 18. Lebensjahr, wie ich in meinem letzten Buch geschrieben hatte.
Nach 33 Jahren und 4 Monaten hatte dieser Impuls so viel an Kraft gewonnen, dass ich ihn 3 Tage in allmählicher Abschwächung halten konnte. Das war im August 1986. (…)
Nach weiteren 33 ein Drittel Jahren komme ich zum 6. Dezember 2019. Jetzt konnte sich das transzendente Bewusstsein dauerhaft in mir verwurzeln. Es ist zusätzlich da. Mitten in der Welt bin ich und habe gleichzeitig ein transzendentes Bewusstsein, das nur mir (und Gott) gehört. Das wird mich schrittweise völlig verwandeln. Vor allem im nächsten Leben. Als ich heute in der Stadt war, merkte ich, wie sich mir ungewollt Gedanken-Wahrnehmungen von den Menschen bildeten, denen ich begegnete, die mir etwas über diese Menschen mitteilten.“

Rudolf Steiner sagte zum 33-Jahre-Rhythmus in seiner verklausulierten Sprache:
„Denn alle Dinge im geschichtlichen Werden erstehen nach dreiunddreißig Jahren in verwandelter Gestalt aus dem Grabe, durch eine Gewalt, die zusammenhängt mit dem Heiligsten und Erlösendsten, das die Menschheit durch das Mysterium von Golgatha bekommen hat. (...) Werde man sich bewusst, daß eine Generation zu der nachfolgenden so hinzuschauen hat, daß sie zu gedenken hat: Im Weihnachtssterne lehre ich dich pflanzen in deiner Seele als Geburt dasjenige, was auferstehen wird im Ostersterne nach dreiunddreißig Jahren. Weiß ich diesen Zusammenhang zwischen dieser und der folgenden Generation, dann habe ich gewonnen - so kann sich jeder sagen - einen Impuls in aller Arbeit, der hinausreicht über den Tag." (Lit.: GA 180, Vortrag vom 23.12.1917).


Welche Bedeutung hat die innere Stille?

Folgen aus der von Ihnen erlebten Stille neuartige Erkenntnisse?

Wie Sie wissen, hat Steiner des Öfteren über die platonische und die aristotelische Geistesströmung gesprochen und für das Ende des 20. Jahrhunderts ein Zusammenwirken der platonischen und der aristotelischen Geistesströmung erwartet, die anscheinend gar nicht stattfand oder doch? Wenn man den Begriff der platonischen Geistesströmung weit genug fasst, dann hat es jedenfalls ein starkes Einwirken dieser Strömung gegeben und gibt es immer noch. Nach Steiner war Plato einer der Letzten, die noch in die Mysterien eingeweiht worden waren. Die Mysterieneinweihungen sind vom Osten nach dem Westen gewandert. Der Osten ist immer noch seinem Geiste nach überwiegend platonisch gestimmt und der Westen überwiegend aristotelisch. In den östlichen Strömungen des Buddhismus, Hinduismus oder Yoga kann man ein Wirken der platonischen Geistesströmung sehen, sogar in den sanften chinesischen Bewegungs- und Verteidigungssystemen wie Tai Chi oder Chi Gong. Es geht immer darum, den eigenen Geist zu verwandeln.
Für mein Erleben ist die Martinus-Kosmologie die Wiedergeburt der platonischen Geistesströmung im Westen.

Eine Frage, wie Sie sie oben gestellt haben, wird nur ein Aristoteliker stellen, dem es um die Erscheinungen geht und nicht um die Verwandlung des eigenen Wesens, ohne die höhere Erkenntnisse nicht möglich sind, denn für den echten Platoniker sind die höheren Erkenntnisse nur ein Nebenergebnis.
Ich habe mich natürlich gefragt, was ich denn jetzt eigentlich bin, denn ich fühle mich in beiden Strömungen zu Hause. Mein Ergebnis ist, dass ich nach meinem wahrscheinlichen Durchgang durch östliche und westliche Inkarnationen zu geschätzt 55% Platoniker und 45% Aristoteliker bin.

Jetzt meine Antwort auf Ihre Frage:
Es gibt angehörte oder angelesene Erkenntnisse, und es gibt erfahrene Erkenntnisse. Ich strebe durch meinen starken platonischen Seelenanteil danach, Erkenntnisse, die ich bereits lesend oder hörend aufgenommen habe, auch zu erfahren. Auf diesem Weg bin ich durch das Erleben der Stille ein ganzes Stück weiter gekommen. Neuartige Erkenntnisse habe ich nicht gewonnen.


Kann man überhaupt wahrnehmen, ohne davon zu wissen?

Was nehmen sie denn konkret wahr? Kann man überhaupt wahrnehmen, ohne davon zu wissen? Oder handelt es sich gar nicht um Wahrnehmung, sondern um eine Verschiebung des Wertfühlens?

Wir nehmen ja in jedem Moment sehr viel mehr wahr als in unser Bewusstsein fällt. In unser Bewusstsein fällt nur das, worauf wir bewusst oder unbewusst unsere Aufmerksamkeit richten. Weil unsere materialistische Zeitkultur die subtilen höheren Wahrnehmungen gerne leugnet, ist es sehr viel schwieriger, auf sie aufmerksam zu werden als auf allgemein anerkannte Phänomene.


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