Steiners Geltungsanpruch als Philosoph im klassischen Sinne. Sein Beitrag zur Anthroposophie

Bernhard, Sonntag, 22. Mai 2016, 11:15 (vor 907 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Bernhard, Sonntag, 22. Mai 2016, 11:25

Hallo, Thomas!


Vielen Dank für Deine ausführliche differenzierende Darlegung. Der Vergleich Fichte - Steiner hat mir die unterschiedlichen Denkungsarten etwas klarer gemacht.

Es ist schon Jahre her, dass ich Fichte gelesen habe. Ich habe mir nur zwei oder drei seiner Werke - neben seinem Hauptwerk zur Wissenschaftslehre - von einem Freund geliehen, selber besitze ich keinen "Fichte".

Ich muss sagen, dass mir sein "seelenfreundlicher" Stil ausgesprochen gut gefallen hat. Seine Denkungsart ist im wahrsten Wortsinne be-geisternd und erfrischend anregend und hat mich dazumal zu eigenem Nach- und Weiterdenken, ja eigentlich zum Philosophieren überhaupt regelrecht euphorisiert. Mich hat auch erst die klare und griffige Aussage, wonach das Ich sowohl das Tätige als auch das durch es In-die-Tat-Umgesetzte mit-einander eines gemeinsamen Wesens sind (sofern ich dies recht verstanden habe), befriedigt - eine Definition, die ich in Steiners "Philosophie" beim besten Willen nicht fand... - Dies nur mal zum meinerseits vielfach vermissten Evidenz-Anspruch in Steiners "geisteswissenschaftlichem" Werk. -


Im Übrigen finde ich Fichtes krassen Anti-Semitismus - das ist jedenfalls mein Eindruck - schon recht bemerkenswert - nun nicht unbedingt im negativen Sinne: Denn es liegt sicher in der Natur der Sache, dass man, wenn man wirklich zum wahren Wesen des Ichs vorzudringen beginnt, man geist-gesetzes-notwendig die erschütternde Diskrepanz des kollektivistisch ausgerichteten niederen jüdischen Gruppen-Ichs gegenüber dem individuellen selbst-eigenen, freien und mithin selbst verantwortlichen Ich unangenehm zu spüren bekommt. Wahrscheinlich war Fichte dieser Zusammenhang nicht voll bewusst; die Sache macht aber deutlich, dass man, wie Fichte es tat, durch wissenschaftlich exakte(!) Geistes-Forschung von Erkenntnis zu Erkenntnis gelangen kann - und wenn nicht selber, so doch zuletzt durch helles, befruchtendes Be-geistern anderer Sinn- und Erkenntissucher... -

Ich habe vor Steiner als Geisteslehrer und authentischen Esoteriker/Okkultisten alle Hochachtung. Gleichzeitig bin ich intellektuell und spirituell autark und "egoistisch" genug, diesbezüglich ganz und gar nichts fraglos zu akzeptieren und passiv hinzunehmen, ohne es selber wirklich hinterfragt, ergründet und einsichtig verstanden zu haben. Gleichzeitig ist mir jene kindliche Geistes- und Gemütshaltung zueigen, die laut Christus unabdingbar vorauszusetzen ist, wenn man in die "Reiche der Himmel" vordringen will. Dank ihrer konnte ich schon als Kind und Jugendlicher manches erkunden und entdecken, was ich später vielfach in authentischen esoterischen und okkulten Werken - auch Steiners - bestätigt fand. -

Dies nur, um mich klar und ausdrücklich vom "Steinerianismus" zu distanzieren. Meine besten Erfolge und Fortschritte erziele ich weder durch Voreingenommenheit noch durch blinden Glauben, sondern durch maßvolle kritische Wachsamkeit und selbstlose Empathie. Zu ehrfürchtigem Staunen und inniger Demut habe ich mich - bzw. hat mich mein Schicksal - in früheren Leben erzogen. Wenn Steiner - wie die okkulten Schulen insgesamt - jene Fähigkeiten als fundamental für die okkulte Schülerschaft voraussetzen, so kann ich durch mich und an mir selber bestätigen, dass diese Forderung zumindest keine Überforderung darstellt. Insofern ehre ich Rudolf Steiner und blicke demütig zu ihm auf, als ich dasjenige, was er mir an esoterisch-okkulten Tatsachen offenbart, durch eigene Erkenntnisfindung selbstbewusst und sicher bejahen kann.


Lieben Gruß!

Bernhard


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