Spencer!? Wer ist das?

Bernhard, Sonntag, 17. Juli 2016, 18:58 (vor 851 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Bernhard, Sonntag, 17. Juli 2016, 19:07

Hallo, Thomas!


Da hab ich wohl an einen ganz anderen Autor gedacht. Nun, ich werde mir Lewis mal vornehmen; vielleicht revidiert sich dann mein Resümee.

Beim Schmerzempfinden der Erde geht es mir um die genauere Differenzierung Steiners, dass eigentlich der Erdenleib den Schmerz empfindet. Wenn nämlich irdischer und pflanzlicher Astralleib eine Unität bildeten, dann früge ich mich, weshalb Steiner zwischen dem Ausreißen der Wurzel - also dem vollständigen Trennen des Pflanzenleibes vom Erdenleib - und dem Abtrennen nur des oberirdischen Pflanzenleibes von seinem unterirdischen Teil überhaupt unterscheidet. In beiden Fällen findet eine Trennung zweier physischer Leibesteile statt, die eng miteinander verbunden sind. Würden also irdische und pflanzliche Astralität einander durchdringen, würden auch beide Organismen die Trennung - gleich, wie sie stattfindet - als schmerzlich empfinden. Da aber der Pflanzenleib von keiner Astralität durchdrungen, sondern von ihr nur peripherisch tangiert wird, erscheint es logisch, wenn Steiner jenen Unterschied herausstellt. -

Und: Es ist klar, dass der physische Schmerz auch(!) physisch verursacht werden kann. Die biologischen Abläufe, die ein Schmerzerlebnis zur Folge haben, manifestieren sich auf der physischen - also der toten Substanzebene. Betrachtet man diese Prozesse rein physisch-materiell, dann erweisen sie sich demgemäß auch als mechanisch-maschinelle Vorgänge. - Hier aber setzt meine Kritik gegen die Mutmaßung eines "Stattfindens" von Schmerz an: Statt finden allein zeit-kontinuierlich verifizierbare Prozesse/Abläufe/Vorgänge, die das Schmerzerlebnis als Folge hervorrufen. Der Schmerz selber ist also kein Ereignis, sondern dasjenige, was der empfindungsfähige Astralleib als eine Folge jener Prozesse in seinem physischen Körper er-lebt. Ich kann, in einem Theatersaal sitzend und das Musizieren auf der Bühne - die mechanisch-physische Prozedur der Instrumentenbedienung, des Singens und des Dirigierens - registrierend, sagen: Hier, in diesem Konzertsaal, findet ein Konzert statt. Dies würde ich auch dann feststellen können, wenn ich vollkommen taub wäre. Die Töne, Klänge und Laute sind die rein mechanisch-physikalischen Folgen des Musizierens. Damit ich aber diese akustischen Phänomene gesund wahrnehmen kann, muss auch die Mechanik meines Gehörs funktionieren, und diese kommt in Gang, wenn der Schall durch mein Trommelfell in Schwingung versetzt, dadurch Hammer, Amboss und Steigbügel in Bewegung bringt und schließlich metamorphisiert die zuständigen Nervenareale meines Gehirns erreicht. - Also, auch der Prozess des Hörens findet statt, wenngleich schon innerhalb meiner Leiblichkeit, jedoch noch weit entfernt von meiner seelisch-geistigen Organisation. Aber das Erleben der Musik ist die Reaktion meiner Seele auf die Folge der mechanischen Prozesse des Musizierens und Hörens. -

Die Phänomene von Lust und Schmerz gehören der Astralsphäre an. Da die Astralsphäre die letzte und höchste ist, die die Natur unmittelbar ergreift, erfahren die Empfindungen auch keinen Einfluss vom Bereich der Ich-Sphäre her, da die Tier-Iche von dort aus nicht direkt agieren können. Ganz anders aber beim Menschen, dessen Ich mit seinem Empfindungsleib intim verwoben ist. Dieses Ich ist nun in jener besonderen Lage, in seine Empfindungssphäre unmittelbar einzugreifen, sich ihr bewusst gegenüberzustellen und ein relativierendes Verhältnis zu ihr schaffen. So kann es, dem Grad seiner Stärke und Entwicklung entsprechend, z.B. den Schmerz in seine Gewalt bringen und ihn derart beherrschen, dass es ihn erträgt, ohne unter ihm zu zerbrechen. - Dieser Möglichkeit aber entbehrt das Tier! Es ist der Empfindung ausgesetzt wie ein Schiffer dem tosenden Meer ohne Segel und Ruder, und wenngleich seine Kameraden vom Ufer aus ihm ihre Leinen zuzuwerfen sich abmühen, so vermag er diese ihrer unzureichenden Länge wegen nicht zu ergreifen. -

Wenn Steiner aus dieser Perspektive feststellt: Das Tier er-lebt und er-leidet nicht nur den Schmerz, sondern es ist Schmerz, es ist Leid, - so kann man dem großzügig zustimmen, sofern man es als ein Teil der gesamten Astral-Sphäre anschaut, ebenso, wie man vom Menschen, wenn er denkt, sagen könnte: Er denkt nicht nur, sondern er ist Gedanke, denn sein Geist ist ein Teil der Gedanken-Sphäre. - Gleichwohl kommt aber dieses hinzu: Da der Schmerz als ein Erlebnis auf der Astralebene auftritt, ist er zuletzt ein der Ich-Sphäre unterlegenes Phänomen und kann - universal-kosmisch gesehen - dann nicht mehr als etwas Absolutes gewertet werden. Mithin müsste also Steiner dahingehend korrigiert werden, indem wir künftighin richtiger sagen: Das Tier würde Schmerz sein und wäre zum Da-Sein unter dem Schmerz verdammt , wenn es in seinem Astralleib auf ewig gefangen wäre, bzw., wenn es nicht und niemals von einer Ich-Wesenheit würde auch nur tingiert werden (können). - "Ich bin" kann das individualisierte Ich-Wesen Mensch nur von sich selbst sagen. Das "Du bist" und "Es ist" weist von seiner Eigenheit weg und hin auf die Eigenheit der Anderheit, der Welt. Mit dem Begriff "Tier" bezeichnen wir die geistige Wesenheit des Geschöpfes. Wenn wir also sagen: "Das Tier ist Schmerz", dann versetzen wir die Ich-Wesenheit in die ihr unterstellte Astralsphäre und liefern sie dem Meer der Empfindungen aus - was beides nicht realistisch
ist.

Die Erlösung des Erden-Tieres aus jener "Haltlosigkeit", nicht unmittelbar als ich-begabtes autonomes Wesen ein selbst-bestimmtes und selbst-beherrschtes Dasein führen zu können, sondern traumwandelnd auf Gedeih und Verderb vom Tun und Lassen ihnen gegenübergestellter Individual-Wesen abhängig zu sein, ist heute dringlicher denn je.
Das jämmerliche Ächzen und Stöhnen der Kreatur und ihre stummen Hilfeschreie hinaus in die eisige Kristallsphäre des Kosmos müssen endlich erhört werden. - Allein: Der Mensch ist in der Lage - und als allererster in der Pflicht! -, seine Mitgeschöpfe dem Himmel wieder näher zu bringen...


Schönen Gruß!

Bernhard


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