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Ahrimanisch-luziferisch inspirierte Lyrik?

Kosmogonie @, Donnerstag, 09. Juni 2016, 22:28 (vor 892 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Kosmogonie, Donnerstag, 09. Juni 2016, 22:39

Hallo Bernhard!

Ich will dich keineswegs als Steinerianer festlegen, zumal es verschiedene Grade gibt und der Grad somit genauer bestimmt werden müßte. In gewissem Maße sind wir (Anthroposophen) wahrscheinlich alle Steinerianer.

Daß ich lyrisch unbegabt bin, schrieb ich schon. Für einen Bewerter von Lyrik eigne ich mich also nicht. Ich kann nur zur Sache etwas sagen, vorbehaltlich meines begrenzten Horizontes.

Ich denke, wir stimmen mit Steiners Hinweis überein, wonach das Böse unschädlich gemacht werden kann, sofern man es als solches erkennt, durchschaut und versteht.

Nein, hier stimmen wir nicht überein! Hat Steiner überhaupt einen derartigen "Hinweis" gegeben? Das wäre zu überprüfen! Zunächst einmal müssen wir "das Böse" unterscheiden.

Luzifer überwinden setzt persönlicherseits voraus, dem luziferischen Doppelgänger oder dem Kleinen Hüter der Schwelle begegnet zu sein. Ich gestehe: soweit bin ich noch nicht gekommen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich in absehbarer Zeit soweit kommen möchte. Um einen Eindruck zu gewinnen, worum es sich bei dieser Begegnung handelt, lies einmal (wieder?) nach in GA 16, "Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen", Vierte Meditation.

Ahriman überwinden setzt voraus, dem Großen Hüter der Schwelle begegnet zu sein. Eine noch größere Aufgabe.

Asura zu überwinden, ja überhaupt nur halbwegs zu erkennen, ist uns gänzlich unmöglich. Siehe dazu GA 107-16. Nicht einmal Christus konnte und kann Asura überwinden. Das kann nur der Vater zu gegebener Zeit, d.h. in einer fernen Zukunft.

Und wenn du die Versuchungsgeschichte Christi in der Wüste kennst, dann weißt du auch, daß Christus nicht einmal Ahriman überwunden hat. Er hat ihn zurückgewiesen, mehr nicht. Ahriman kam dann in Judas Iskariot zum Zuge. Das führte zur Kreuzigung. In der anschließenden "Höllenfahrt" ist Christus in das Reich Ahrimans eingetreten, aber definitiv überwunden hat er ihn damit immer noch nicht! Das hat er nur an Luzifer vollbracht.

Ich bin diesbezüglich geneigt, mich an Tomberg zu halten, siehe "Anthroposophische Betrachtungen über das Neue Testament", 1991², Seite 32, ich zitiere:

Weiter:

Überlegen wir auch mal, warum Steiner über die dritte Macht des Bösen späterhin nicht mehr gesprochen hat. Der Grund dürfte sein, daß eine "geisteswissenschaftliche" Annäherung hier nicht oder kaum mehr möglich ist. Denn wenn selbst Christus hier an seine Grenze gekommen ist, dann gilt diese Grenze für uns erst recht.

Ich urteile natürlich nur von meinem begrenzten und vorläufigen Standpunkt aus. Vielleicht bewahrheitet sich auch an mir die Regel: Je weiter man kommt, desto vorsichtiger und bescheidener wird man. Laß dich aber nicht davon abhalten, deinen eigenen Standpunkt vorzutragen.

Gruß
Thomas


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