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Zum Vorwurf der Frauenfeindlichkeit

Kosmogonie @, Montag, 02. Mai 2016, 11:25 (vor 927 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Kosmogonie, Montag, 02. Mai 2016, 11:38

Meine Untersuchungen zur Stellung des Weibes im Kosmos haben manche Leser verleitet, zu behaupten, diese seien "frauenfeindlich".

Tatsächlich betrachte ich gegenwärtig das Weib als eine Art Defizitärform des Menschen (wie genau, das bitte ich nachzulesen). Aber es ist kurzschlüssig, diese Einschätzung mit Verachtung gleichzusetzen. Die Einschätzung eines Wesens hinsichtlich seiner hierarchischen Stellung einerseits, und seine persönliche Wertschätzung anderseits - das sind ganz verschiedene Dinge.

So wird, um ein Extrembeispiel zu nennen, kein Hundehalter behaupten, daß sein Hund Menschenwürde besitze. Aber den Hund deswegen zu verachten, ihn gar zu hassen, diese Behauptung würde er vehement zurückweisen. Tatsächlich bekennen manche Hundehalter, daß sie von Hunden mehr halten als von Menschen.

Den gleichen Eindruck kann man auch gewinnen, wenn man an Blumenliebhaber denkt, die ihre Pflanzen sorgfältigst pflegen, zu ihrer Pflege vielleicht sogar früher aufstehen, als sie es andernfalls täten; während sie ihre Angehörigen vernachlässigen.

Ja sogar Mineralien sind von höchster Wertschätzung nicht ausgenommen. Manch Einer würde zum Erwerb eines Diamanten mehr Geld ausgeben als zur Befreiung eines Verwandten aus der Geiselhaft. Dabei ist er sich bewußt, daß Mineralien den niedersten Rang in der Hierarchie des Geschaffenen einnehmen.

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Wenn der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit aufgrund etwa von feminismuskritischen Untersuchungen auftritt, so beruht das in diesem Falle auf einer Entscheidung für Luzifer und gegen Christus.

Als Christus seinen Jüngern die Füße wusch, da mußte er sich zu ihnen herabbeugen. Aber sich beugen kann man nur aus einer Position der Höhe. Ein Hund, der einem die Füße ableckt und sich dazu natürlich nicht beugen muß, ist daher auch nicht demütig, sondern bloß anhänglich. Demgegenüber bestand die Demut Christi darin, daß er sich als Gott sah - "Ich und der Vater sind eins" - und sich als solcher herabbeugte. Das war ein für uns unerreichbarer Akt der Beugung!

Und Luzifer? Das war der Engel, der sein wollte wie Gott, weil er seine wahre hierarchische Position verkannt hat. Er beugte sich nicht, folglich wurde er gebeugt - und zwar heftig, das heißt, er wurde gestürzt. Das empfindet er als ungerecht. Anders gesagt, er hat daraus keine Lehre gezogen. (Ich spreche jetzt mehr vom Luziferischen als Prinzip. Als Wesen wurde Luzifer durch Christus gewandelt; im Einzelnen wirkt er weiterhin.)

Der Feminismus ist eine Bewegung derer, welche die hierarchische Position des Weibes ebenfalls verkennen. Das Weib sei demnach wie der Mann, jedoch ungerechterweise gebeugt, ja gestürzt worden. Eine Fußwaschung würden sie ablehnen, weil sie, ebenso wie Luzifer, den hierarchischen Unterschied leugnen.

Einem Luziferiker kann man grundsätzlich nicht die Füße waschen. Er würde das immer als "Herablassung", das heißt, als einen Akt der Verachtung oder gar der Verhöhnung sehen. Er kennt zwar die Haltung der Solidarität - mit seinesgleichen -, aber keine Liebe, weder als Erlebnis, und noch als Verhalten zu Anderen.

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Anthroposophen dürften ausnahmslos die Idee der Wiederverkörperung akzeptieren, und auch die Steinersche Aussage, daß wir uns des Ausgleichs halber abwechselnd als Mann und Weib verkörpern. Die menschliche Individualität wird also durch Feminismuskritik nicht berührt. Auch ich persönlich bin davon überzeugt, weibliche Verkörperungen hinter mir und vor mir zu haben. ;-)

Allerdings stellt sich auch die Frage nach der sozialen Gestaltung unter dem Gesichtspunkt der Feminismuskritik. Und da gilt für einen Anthroposophen ganz selbstverständlich: Jeder Mensch, wirklich jeder, soll sich so entfalten können, wie es seinen (sozialverträglichen) Anlagen entspricht.

Das ist grundsätzlich machbar auch dann, wenn gesetzliche Einschränkungen bestehen. In diesem Sinne habe ich früher bereits einmal geschrieben:

Hätte der frühreife Mozart eine "Erklärung der Kinderrechte" geschrieben und diese mit derart unverschämten Äußerungen gegen die Erwachsenen versehen wie Olympe de Gouges ihre "Erklärung der Frauenrechte" gegen die Männer, so wäre er zwar nicht, wie diese, geköpft worden. Wahrscheinlich aber hätte er sich in eine Auseinandersetzung hineinmanövriert, die ihn gehindert hätte, zu werden, was er geworden ist: Ein allseits geliebter, bewunderter und geförderter Künstler.

Die öffentlichen Auftritte des kindlichen Mozart wurden möglich, weil man die sicher auch damals geläufigen Beschränkungen durchbrach. Ebenso gibt es Ausnahmegenehmigungen für jugendliche Führerscheinbewerber, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. In diesem Sinne gibt es immer und überall individuelle Entscheidungen, welche die Rigidität von gesetzlichen Bestimmungen durchbrechen.

Der Feminismus schließt aber gerade die Individualisierung aus. Er ist eine "Befreiungs"-Religion im Namen einer luziferisch verstandenen kollektiven "Gerechtigkeit". Da es sich um eine Illusion handelt, tut er auch nichts Anderes, als eine wirklich gerechte Regelung durch eine andere Regelung zu ersetzen, durch welche die Menschen gleichgemacht werden und letztlich ihre Individualität und Freiheit einbüßen. Im Namen der Freiheit die Freiheit abschaffen, das ist das Wesen des Luziferischen.

Der Feminismus als solcher sei hier nicht diskutiert; dafür gibt es andere Foren. Hier steht der kosmologische Hintergrund zur Debatte.


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