Geistes-Wissenschaft

Bernhard, Freitag, 01. Juli 2016, 10:46 (vor 867 Tagen)

Hallo, Thomas!

Beiträgen aus dem Steiner-Forum entnahm ich, dass Du auch Frits H. Julius kennst. Das hat mich sehr angenehm überrascht. Ich weiß nicht, ob Dir seine Schriften ebenso ausnehmend gut gefallen wie mir, denn in Julius sehe ich persönlich in der Tat einen echten Geistes-Wissenschaftler, wie er der wahren Anthroposophie angehört und wie Steiner ihn sich sicherlich für sie wünschte.

Als ich Julius am Anfang meiner Begegnung mit der Anthroposophie kennenlernte, habe ich ihn regelrecht verschlungen. Und seine Bücher gehören für mich bis heute zu den größten Schätzen wertvoller Erkenntnisse, die beispiellos aufzeigen, was erreicht werden kann, wenn Natur-Forschung mit echter geistvoller wissenschaftlicher Methodik betrieben wird. In Julius Büchern verbindet und ergänzt sich auf ideale Weise ein exaktes sinnlichkeitsfreies Denken mit einem warmen, lebensoffenen Gemüt. Und ich bin mir recht sicher, dass Julius' Vorgehensweise, richtig nachgeahmt, auf den Weg zur echten Hellsichtigkeit hin führen kann.

Was sagst Du zu Julius? -


Lieben Gruß

Bernhard

Avatar

Das ist Naturwissenschaft - im besten Sinne des Wortes

Kosmogonie @, Freitag, 01. Juli 2016, 11:49 (vor 867 Tagen) @ Bernhard

Hallo Bernhard!

Beiträgen aus dem Steiner-Forum entnahm ich,

Sag' lieber fvn-rs-Forum (oder: Forum der Freien Verwaltung des Nachlasses von Rudolf Steiner), denn auch das vorliegende Kosmogonie-Forum ist gewissermaßen ein Steiner-Forum, wenn auch der Akzent weniger auf der Person als auf der Forschung liegen soll. Im fvn-rs-Forum sollte man ja eigentlich nur die Arbeit der "freien" - d.h. illegalen - Nachlaßverwaltung kommentieren, also z.B. auf Fehler hinweisen. Daraus wurde ungewollt ein freies Meinungsforum. Soweit nicht schlecht. Doch indem der dortige Moderator (Günter Kreidl) den Begriff der Freiheit auch wiederum sehr weit auslegte, d.h. auf eine Moderation nahezu verzichtete, trieb er das Forum in die Bedeutungslosigkeit. Das ist es, was ich hiermit vermeiden will. Ich will hier keine "Freiheit", sondern Qualität.

Ich weiß nicht, ob Dir seine Schriften ebenso ausnehmend gut gefallen wie mir,

Ich teile deine Begeisterung!

In Julius Büchern verbindet und ergänzt sich auf ideale Weise ein exaktes sinnlichkeitsfreies Denken mit einem warmen, lebensoffenen Gemüt.

Das mit dem "warmen, lebensoffenen Gemüt" empfinde ich auch so. Nur handelt es sich m.E. nicht um Geistes-, sondern ganz klar um Naturwissenschaft. Es geht ja um Tiere; also ist das, was der Autor macht, Tierkunde oder Zoologie.

Aber sinnlichkeitsfreies Denken? Im Gegenteil! Ein Forscher wie Julius verläßt sich vielmehr auf seine Sinne als auf das Denken, darin Goethe ähnlich. Und gerade das macht ihn so interessant.

Du machst hier, wenn ich es einmal so sagen darf, den typischen Fehler der Steinerianer, die Steiners Denk- und Ausdrucksweise ungeprüft übernehmen. Davor möchte ich warnen! So gebrauchen die Steinerianer, indem sie vermutlich an die "Philosophie der Freiheit" denken, in allen möglichen Zusammenhängen den Ausdruck "frei"; so etwa: "Freier Verein für...", "Verein für freie...", oder wie im obigen Beispiel "Freie Nachlaßverwaltung". Freiheit bedeutet dabei das Frei-sein-von im Sinne der Regellosigkeit, des Luziferismus, ja bisweilen der grenzwertigen Kriminalität.

Mit dem "sinnlichkeitsfreien" oder "leibfreien" Denken ist es ähnlich. Es gibt ein solches, aber das ist ein hoch philosophisches Unternehmen. Dabei sehe ich gerade in Steiner keinen ernstzunehmenden Philosophen. Wer sich hierin bilden will, der sollte Kant und im Anschluß etwa Husserl lesen.

Der Fehler in der heutigen Naturwissenschaft ist der Hang zum Quantifizieren und Mathematisieren, selbst in der Biologie. Julius Schriften heben sich insofern dagegen ab, als sie das Qualitative thematisieren. Großartig ist seine polarisierende Beschreibung von Spinnen und Würmern, um nur ein Beispiel zu nennen. Leider habe ich das betreffende Buch nicht mehr parat. In meinem Regal steht "Die zwölf Triebe in Tier und Mensch". Dieses Buch hat mir nicht mehr so gut gefallen, wobei ich momentan nicht genau angeben kann, warum. Auf jeden Fall habe ich Zweifel an der Zuordnung von zwölf Trieben zu den zwölf Sternzeichen; das kommt mir konstruiert vor.

Aber damit sind wir bei einem Thema, das man weiterverfolgen müßte, und zwar unter der Fragestellung: Ist das überhaupt Wissenschaft? Die Begründung der Wissenschaft ist ja das Thema der neueren Philosophie überhaupt. In diesem Sinne gilt Kant als der "Zertrümmerer der (alten) Metaphysik". Er wollte eine sichere Grundlage schaffen. Husserl verfolgte das gleiche Ziel, allerdings ging er über Kant weit hinaus. Steiner ist eigentlich Kantianer geblieben.

Wir könnten uns unter dieser Fragestellung auch einmal die Astrologie vornehmen. Wissenschaftlich ist nicht allein die statistische oder überhaupt eine mathematische Vorgehensweise. Wissenschaft geht auch ohne Mathematik. Anderseits ist nicht alles, was stimmig und einleuchtend scheint, deswegen schon Wissenschaft. Hier gibt es noch viel zu klären, aber das ist mit Arbeit verbunden!

Gruß
Thomas

Das ist Naturwissenschaft - im besten Sinne des Wortes

Bernhard, Samstag, 02. Juli 2016, 23:37 (vor 865 Tagen) @ Kosmogonie

Also, Julius war in erster Linie Waldorf-Pädagoge und unterrichtete in Naturwissenschaften und Menschen-Wesenskunde. In seinen Lehrbüchern für Waldorflehrer über Chemie und Optik zeigt er die Methodik eines Kind- und menschengerechten Unterrichtens auf und gibt hierzu zahlreiche Beispiele.

Da mit Julius kein theoretischer trockener Fach-Akademiker schreibt, sondern ein Mensch zu Menschen in einer lebendigen verständlichen Sprache, sind alle(!) seine Bücher auch für Nicht-Experten ausgesprochen interessant und höchst lehrreich.

Es mag den Anschein haben, dass Julius, indem er in seinen naturwissenschaftlichen
Abhandlungen über das Wesen-hafte der Pflanzen/Bäume, der Tiergruppen und der Triebe spricht, kategorisiert, wenn er für seine Betrachtungen grundsätzlich die Planeten-Siebenheit und den Tierkreis heranzieht und sie mit den Naturreichen in Beziehung setzt. Man muss sich wirklich mit seiner Methodik vertraut machen, um zweifellos zu erkennen, dass er nicht einfach spekulativ analogisiert, sondern nach exakt-wissenschaftlichen Regeln wirkliche Zusammenhänge und Wesens-Verwandtschaften regelrecht ent-deckt, auf-deckt, die vor ihm kein anderer Anthroposoph oder Naturforscher bemerkt hat. Seine Angaben sind keine bloße Theorie, sondern können von jedem anthroposophischen Laien und Naturforscher als Tatsachen bestätigt werden - eine unbefangene Geistes- und Seelenhaltung vorausgesetzt.

Die kleinen Schriften "Metamorphose", "Bäume und Planeten" und "Die Bildersprache des Tierkreises" sind ein unvergleichlicher spannender Einstieg in die Grundsätze einer echten spirituellen Astrologie, die Natur, Mensch und Kosmos mit deren geistigen Ur-Heimat zu einer untrennbarer harmonisch-göttlichen Einheit verbindet.

Als konsequenter Phänomenalist in den Fußstapfen Goethes lässt Julius die Erscheinungen in der Natur, im Menschenleben und im Kosmos logischerweise durch seine
Sinne an sich herantreten. Aber wohlverstanden: durch seine Sinne! Nicht die Sinnes-Erfahrungen als solche sind ihm die Wirklichkeit - wie etwa dem Sensualisten -, sondern dasjenige, was deren Gesamtkomplex als Phänomen ihm seelisch und geistig enthüllt. Die Anmutung der Erscheinung ist es, die deren Wesen offenbart, nicht die sinnliche Impression. In diesem Sinne ist Julius' Denken sinnlichkeitsfrei, weil der sinnliche Eindruck vor der denkerischen Erkenntnisfindung halt macht. Unter einem sinnlichkeitsfreien Denken verstehe ich Erkenntnisarbeit, die nicht von den Sinneserlebnissen betört und überwältigt wird und deren Resultate von der sinnlichen Erfahrung unabhängig bleiben.
Julius' Bücher weisen durchgehend ein streng mathematisches Denken auf.

Ich kenne übrigens zwei "Steinerianer", die mit Julius' Büchern nichts anfangen können. Warum, das ist jedenfalls für mich persönlich nachvollziehbar.


Schönen Gruß!

Bernhard

Avatar

Das ist Naturwissenschaft - im besten Sinne des Wortes

Kosmogonie @, Sonntag, 03. Juli 2016, 00:56 (vor 865 Tagen) @ Bernhard

Ich kenne übrigens zwei "Steinerianer", die mit Julius' Büchern nichts anfangen können. Warum, das ist jedenfalls für mich persönlich nachvollziehbar.

Was für Gründe geben denn diese Verständnislosen an?

Wie gesagt, ich teile deine Begeisterung für Julius. Wie man seine Methode zu charakterisieren hat, mit welchen Begriffen, das ist eine andere Frage, die unabhängig davon zu behandeln ist. Es ist sicher nicht falsch, sie als phänomenologisch zu bezeichnen. (Und zwar im Sinne Husserls, weil ich da weiß, wovon ich spreche. Die Steinerianer, die sich mit Husserls Lebenswerk nicht vertraut gemacht haben, reden demgegenüber immer von Goethe.)

Ich nehme dein Plädoyer für Julius zum Anlaß, seine Schriften, soweit sie mir vorliegen, nochmal zu lesen!

Gruß
Thomas

Das ist Naturwissenschaft - im besten Sinne des Wortes

Bernhard, Sonntag, 03. Juli 2016, 11:44 (vor 865 Tagen) @ Kosmogonie

Da Husserls Richtung in die Transzendentalphilosophie hinüberreicht und er mithin das Metaphysische als etwas Realistisches grundsätzlich in Frage stellt, weicht er eben hierdurch von Goethes Phänomenologie ab, welche das Metaphysische schlechthin voraussetzt.

Man kann den grundsätzlichen Unterschied zwischen Goethes und Husserls Phänomenologie kurzerhand so definieren:

Goethe stellt sich selbst geistoffen und frei den Phänomenen erlebend gegenüber - und empfängt in ebenso offener und freier erwartender Haltung die Antwort ihres Wesens. Und erst und nur hiermit ist die Grundlage bis hin zur höchstmöglichen Erkenntnis gegeben.

Husserl hält den Phänomenen den Spiegel seines Intellektes vor, projiziert damit dessen Vorstellungsmuster auf die Erscheinungen und reflektiert zuletzt alles dasjenige, was sie über den Intellekt hinaus nur dem Geist mitteilen können, auf ihre äußere Form zurück. Was diese Denkungsart erfasst, ist nicht das Lebendig-Wesenhafte und Sinn-erfüllende der Phänomene, sondern ihre kristallin vorstrukturierte Gesetzmäßigkeit.

Da mich persönlich die vollkommen vorbehaltlose Anschauung der Phänomene bei gleichzeitiger selbst-beherrschter und Geisteswacher Distanz wirklich an das Wesen der Dinge heranführt, nicht aber das spekulierende Nach-Denken über die Phänomene, welches mich nur ermüdet und meine schöpferische Phantasie zurückdrängt, wirst Du verstehen, weshalb ich anschauungsmäßig der Lebenspraxis Goethes näher stehe als den klassischen akademischen Intellektualtugenden!


Schönen Sonntagsgruß!

Bernhard

Das ist Naturwissenschaft - im besten Sinne des Wortes

Bernhard, Sonntag, 03. Juli 2016, 12:00 (vor 865 Tagen) @ Bernhard

P.S.:

Die Begründung der Julius-Verschmäher dürfte nicht überraschen: Wer Julius gründlich studiert hat, erkennt in ihm echte gediegene Wissenschaftlichkeit - und diese ist jenen Steinerianern abhold, die es gewohnt - und wozu sie auch besonders bequemt sind,
alles essenziell Wesentliche fix und fertig und in wohlschmeckenden mundweichen Häppchen vorgesetzt zu bekommen...

Avatar

???

Kosmogonie @, Sonntag, 03. Juli 2016, 13:57 (vor 865 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Kosmogonie, Sonntag, 03. Juli 2016, 14:31

Man kann den grundsätzlichen Unterschied zwischen Goethes und Husserls Phänomenologie kurzerhand so definieren: [...]

Jetzt bin ich aber verblüfft! Ich erkenne in deiner Be-, besser Abwertung die Philosophie von Husserl nicht wieder. Wie mir scheint, hast du es hier gemacht, wie Steiner es oftmals auch gemacht hat: Nichts oder fast nichts im Original gelesen, ein gehörtes oder aufgelesenes Vorurteil übernommen, und dies zum Dogma ausgebaut. Das hatte ich von dir nicht erwartet!

Natürlich steht diese Haltung in krassestem Widerspruch zur Forderung nach Unbefangenheit und Vorurteilslosigkeit, die gerade Steiner so gerne und häufig den Andersdenkenden entgegentrug.

Was Goethe betrifft, so will ich über ihn keinesfalls urteilen, weil ich ihn nicht gründlich genug gelesen habe. In diesem Falle verbietet sich jedes eigene Urteil. Wenn ich stattdessen einfach übernehmen würde, was Dritte, Steiner etwa, über ihn geschrieben haben, so handelte es sich um ein bloßes Vorurteil. Allerdings brauche ich auch nicht zu polarisieren, um den Wert einer Position anzuerkennen.

Was du der Phänomenologie H.s zuschreibst - es würde gar nichts bringen, dies detailliert zu diskutieren -, so handelt es sich so ziemlich um das Gegenteil von dem, was sie - anerkanntermaßen! - wirklich auszeichnet. Es handelt sich vielmehr um ein Feindbild, so wie Steiner es, grob verzerrend, von Kant gezeichnet hat, um sich selbst ein Profil zu geben. Selbst die vehementesten Gegner Husserls haben ihn niemals total verdammt, nur auf Fehler hingewiesen. Steiner selbst war daher auch klug genug, sich auf keine Auseinandersetzung mit Husserl einzulassen, sondern nur zuzugeben, daß er mit ihm nichts anfangen könne. Kant war ja schon tot, der konnte sich nicht mehr verteidigen; Husserl hätte es gekonnt.

Aber bleiben wir bei Frits Julius, um den geht es ja. Ich werde, wie gesagt, die Werke, die ich von ihm habe (u.A. über die sieben Baumtypen), nochmal lesen, und weitere hinzuziehen. Daß ich deine Begeisterung für ihn teile, schrieb ich ja schon zweimal. Irgendetwas, das meine Kritik herausgefordert hätte, habe ich bei Julius nicht gefunden.

Allerdings muß ich herausstellen (so weit das noch nicht klar ist), daß es mir letztlich um den Erkenntnis-Fortschritt geht. Man kann und sollte die Leistungen eines Autors würdigen, aber man würdigt ihn am ehesten, wenn man versucht, über ihn hinauszugehen. Das ist es, was die Steinerianer nicht verstanden haben, Anthroposophen wie Tomberg aber schon. Anthroposophie ist mehr (sollte zumindest mehr werden) als das, was in der GA begraben liegt.

Mit den besten Grüßen!
Thomas

???

Bernhard, Sonntag, 03. Juli 2016, 18:14 (vor 865 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Bernhard, Sonntag, 03. Juli 2016, 18:23

1. Ich habe nicht Husserls Philosophie abgewertet, sondern sie - nach meinem gegenwärtigen Verständnis - bewertet.

2. Was Steiner zu/über Husserl sagt, ist mir längst nicht mehr geläufig. Aber was Steiner überhaupt gegen Personen sagt, die Dir sympathisch sind, muss ja nicht zwangsläufig falsch, missverstanden, vorverurteilt oder gelogen sein.

3. So unglaubwürdig es Dir wohl scheinen mag: Ich bilde mir auch zu Themen, die Rudolf Steiner behandelt, meine persönliche Meinung. Wenn sie mit Steiner übereinstimmt, sehe ich mich allenfalls bestätigt; wenn nicht, heißt es für mich entweder: Also gibt es schon zwei Ansichten zu ein und derselben Sache!; oder: Alles nochmal von vorne! - Was z.B. die Qabalah betrifft, komme ich in wesentlichen Teilen zu anderen Schlüssen und Erkenntnissen (nicht nur) als er - und zu denen stehe ich auch, denn auch ich kann sie schlüssig darlegen.

Ich denke, was Du von mir "nicht erwartet" hättest, ist letztendlich, Dir da zu widersprechen, wo Du mit Steiner "fertig" bist. Bei meinem Kommentar dachte ich keine Sekunde an Steiner! Wie denn auch, da ich ihn, wie schon erwähnt, gar nicht mehr mit Husserl verbinde! Auf Steiner kamst allein Du! - Was anderes nun soll ich konstatieren, wenn Du alle meine Dir "verdächtigen" Gedanken permanent an Steiner lehnst, als dass Du mit Steiner ein Problem hast, ein Problem, das möglicherweise seinerseits ein künstlich konstruiertes ist, herausgeboren aus einem Wust anti-steinerscher Vor- und Fehlurteile.

Ich möchte mich vor Steiner nicht rechtfertigen müssen, ich werde es auch nicht. Steiner zu mögen und Menschen zu mögen, weil sie Steiner mögen, ist kein geistiges Armutszeugnis - wohl aber ein solches, wenn man Menschen, weil sie Steiner mögen, ein ebensolches ausstellt. -

Der Mensch ist ein ewig Werdender, und sein Werden tut sich kund mit jedem Jahrzehnt, jedem Tag, jeder Stunde seines Lebens. Das wissen wir beide sehr wohl. Und einem deutschen Kanzler rang diese Tatsache den spontanen Ausspruch ab: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!" - Auch ich selber habe "gestern" über manch vieles anders gedacht und geurteilt als ich es "heute" tue. Nur, ob dasjenige, was ich heute verstehe und weiß bzw. zu verstehen und zu wissen glaube, gegenüber dem gestrigen nun auch end-gültig wahr ist oder nicht: Dies erkennen zu können ist ein Ziel meines spirituellen Werdegangs.


Lieben Gruß!

Bernhard

Avatar

Evolution

Kosmogonie @, Sonntag, 03. Juli 2016, 21:55 (vor 864 Tagen) @ Bernhard

Und einem deutschen Kanzler rang diese Tatsache den spontanen Ausspruch ab: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!" - Auch ich selber habe "gestern" über manch vieles anders gedacht und geurteilt als ich es "heute" tue.

Ja, Jeder hat ein Recht auf Evolution. Und Adenauer - falls das bekannte Zitat wirklich von ihm stammt - war so ehrlich, sich dazu zu bekennen und nicht, wie viele andere Politiker, im Nachhinein immer zu behaupten, er sei mißverstanden worden und habe alles ganz anders gemeint.

So können wir verbleiben. Denn auch Kosmogonie ist Evolution.

Beste Grüße
Thomas

Avatar

Zur Charakteristik der Bäume. Die Autoren Julius und Kranich im Vergleich.

Kosmogonie @, Montag, 04. Juli 2016, 16:35 (vor 864 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Kosmogonie, Montag, 04. Juli 2016, 16:40

Ich werde, wie gesagt, die Werke, die ich von ihm habe (u.A. über die sieben Baumtypen), nochmal lesen

Hallo Bernhard!

Mir liegt ein Buch vor mit dem Titel "Bäume und Planeten" von Frits H. Julius und Ernst-Michael Kranich. Beide Autoren beziehen sich auf die planetarische Baumsymbolik des ersten Goetheanum. Allerdings gelingt die Zuordnung von Baum zu Planet dem Autor Kranich viel überzeugender als dem Autor Julius.

Nehmen wir als Vergleichs-Element den Kirschbaum. Julius beschreibt ihn so, daß ich an eine bezaubernd sinnliche junge Frau erinnert werde. Dieser erscheint noch venusischer als selbst die Birke, die der eigentlich venusische Baum sein soll. Was hingegen die Kirsche mit dem Mond verbindet, erschließt sich mir aus Julius' Darstellung kaum; allenfalls durch den etwas vagen Hinweis auf die Beziehung der Kirsche zum Wasser.

Denke ich nun an die Tarot-Karte "Der Mond" (Vgl. Tombergs Erörterung in seinen "Arcana des Tarot", wo das Mond-Prinzip schlechter wegkommt als selbst der Teufel!) sowie an Steiners Ausführungen über das "mondenhafte", soll heißen: unlebendige, tote und ertötende Denken der Arabisten, so stellt sich mir erst recht die Frage, wie ich die Kirsche in Julius' Darstellung mit dem Mond als geistiges Prinzip in Verbindung bringen kann.

Ganz anders bei Kranich. Dieser beschränkt sich nicht auf die sinnliche Ebene, sondern kommt auch auf die astronomischen Verhältnisse zu sprechen. So gelangt er u.A. zu folgenden Ergebnissen (Hervorhebung durch mich):

Man kann in den Knospen das Abbild des Mondes, d.h. die durch die Gesetzmäßigkeit des Mondes modifizierte Sonnenwirksamkeit sehen. Der Mond führt zum keimhaft bleibenden Leben, das sich im Zustand größter Zusammenziehung abschließt. Das tritt uns in der Entwicklung der Pflanze noch an zwei anderen Stellen entgegen: in der Bildung der Fruchtknoten [...], und im Entstehen der Samenkörner.

Und später:

Man darf sich von der roten Färbung und der Süßigkeit [der Früchte] nicht täuschen lassen. Durch die unvollständige, gehemmte Reifung sind die Kirschen so wenig haltbar. Der innere Teil der Frucht wird wie bei allen Steinfrüchten zu einem Gehäuse, das den Samen wie mit einer zweiten Samenschale umschließt. Hier wirken die abschließenden Kräfte des Mondes in einer gesteigerten Weise.

Worin besteht nun der Unterschied der Vorgehensweisen beider Autoren? Julius bleibt - im vorliegenden Falle - in der Beschreibung hängen, wenn es auch eine genaue und stilistisch sehr ansprechende Beschreibung ist. Zwar erläutert er in seinem einleitenden Beitrag ("Ein Weg zum Wesen der sieben Bäume. Das erste Goetheanum als Ausgangspunkt") eingehend die goetheanistische Methode bis hin zu möglichen Veränderungen im eigenen Ätherleib, aber das hat sich zumindest für das Verhältnis der Bäume zu den Planeten nicht unbedingt erkenntnisfördernd ausgewirkt.

Kranich dagegen leitet mit seinen astronomisch-mathematischen Hinweisen irgendwie zur inspirativen Erkenntnismethode über, so daß es ihm gelingt, die Schrift der Natur zu lesen. Er vollzieht den Übergang vom Bild zur Schrift.

Inspiration, das erwähne ich nebenbei, hat Beziehungen zur Mathematik, insbesondere zur Algebra. So läßt sich folgende Gleichung schreiben:

Herzfrequenz : Atemfrequenz = 4 : 1

sowie bekanntlich

Inspiration : Exspiration (Einatmung : Ausatmung) = 1 : 1.

Auch die Wahrheit ist eine Gleichung, gegeben mit der Übereinstimmung von Erkenntnis und Gegenstand. Damit wird auch klar, daß hier immer Exaktheit gefordert wird. Die sollte man nicht pauschal verteufeln, nur weil einem das Rechnen in der Schule schwergefallen ist oder weil die Naturwissenschaft mathematisierend auf Abwege geraten ist.

-----------

Resümée:

Zum Thema "Bäume und Planeten" hat Julius nicht sein Bestes gegeben. Was seine Tierbeschreibungen betrifft, so könnte es anders aussehen, aber das kann ich mangels Vorlagen jetzt nicht untersuchen. Wenn du aber schreibst,

Julius' Bücher weisen durchgehend ein streng mathematisches Denken auf

so muß ich dir entschieden widersprechen. Es ist ein sinnesbezogen bildliches, bestenfalls imaginatives, keinesfalls mathematisches, nicht einmal geometrisierendes Denken.

Meine besten Grüße!
Thomas

Zur Charakteristik der Bäume. Die Autoren Julius und Kranich im Vergleich.

Bernhard, Dienstag, 05. Juli 2016, 23:10 (vor 862 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Bernhard, Dienstag, 05. Juli 2016, 23:21

Hallo, Thomas!

Es dürfte klar sein, das die Autoren das Baum-Wesen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten: Julius aus der anschaulich-phänomenologischen, Kranich zusätzlich aus der kosmologischen Sichtweise. Beide Anschauungsarten stehen nicht konträr oder parallel zueinander - sie ergänzen sich.

Die kosmologische Betrachtungsweise Kranichs nimmt sich - logischerweise - als mathematistisch aus, da er den faktisch-objektiven Maßstab der realen berechenbaren Planeten-Rhythmen anwendet. (In "Pflanze und Kosmos" und "Die Formensprache der Pflanze" beweist er sogar die Reflexion der Planeten-Rhythmen in den unterschiedlichen Wachstumsstadien und Organsystemen der Einzelpflanze.) Julius untersucht im Gemeinschaftswerk die Phänomene ausschließlich auf der goetheanistischen "sinnlich-sittlichen" Anschauungsebene - was auch seiner spezifischen Aufgabenstellung hierin entspricht. In seinen "Grundlagen einer phänomenologischen Chemie" (Bd. I u. II) stützt er sich auch auf naturgesetzmäßige Fakten und Prinzipien. - Aber auch Kranich ist reiner Phänomenologe in seinen Büchern "Pflanzen als Bilder der Seelenwelt" und "Wesensbilder der Tiere", und in "Von der Gewissheit zur Wissenschaft der Evolution" hebt er die fundamentale Bedeutung der goetheanistischen Methode für die Evolutionsforschung hervor.

Goetheanistischer Phänomenalismus und klassischer Mathematismus sind als wissenschaftliche Methoden selbstverständlich vereinbar. Dies bestätigt namentlich Kranich in seinen Pflanzen-Betrachtungen allemal. Der Unterschied zwischen Kranich und Julius in "Bäume und Planeten" besteht im Wesentlichen darin, dass letzterer ausschließlich bzw. primär die reine Anschauung anstellt - ohne scharfen Hinblick auf die konkrete Natur-Gesetzlichkeit. ("Metamorphose", "Das Tier zwischen Mensch und Kosmos", "Die zwölf Triebe in Tier und Mensch", "Die Bildersprache des Tierkreises".) Hiermit allerdings fordert er insbesondere den kritischeren Leser zu dem für ihn enormen Wagnis heraus, sich intellektuell sozusagen völlig "haltlos" vor das Phänomen zu stellen und dieses ganz auf sein Wesen wirken zu lassen. Er stellt vorab die entscheidende Bedingung, anzuerkennen, dass dasjenige, was der Betrachter sinnend, meditativ und synthetisierend am Phänomen er-lebt und konstatiert, wirk-lich und wahr-haftig ist.

Allerdings: Man wird die geniale Logik und Weisheit des Beobachteten und Konstatierten nur und erst dann gewahr, wenn man sich hierfür freimütig seelisch wach und offen hält. Sofern man sich die goetheanistische Methode aneignet und sich darin kontinuierlich schult, und je weiter man in dieser Schulung übend fortschreitet, desto empfänglicher und "hell-sichtiger" bzw. "-höriger" wird man für die Bilder-Sprache der Natur.

Du hast ja am Beispiel der Kirsche den Unterschied zwischen der kranichschen und der juliusschen Betrachtungsweise klar verständlich gemacht: Kranich zieht akribisch und einleuchtend das allgemeine Mond-Prinzip zum Verständnis des Baum-Typus heran und zeigt etwa an der Knospen- und Fruchtknotenbildung, wie diese in allen Einzelheiten das Mond-Prinzip augenscheinlich darlebt. Bei Julius wiederum erfahren wir, inwiefern die Signatur des Kirschbaums (richtig erfasst!) das Seelenwesenhafte des Mond-Prinzips ausdrückt. Beide Arten des synthetisierenden Anschauens vervollkommnen sich zur wahren Phänomenologie, zum wissenschaftlichen goetheanistischen Phänomenalismus.

Darin liegt der Reiz des goetheanistischen Phänomenalismus: Bei der Erkenntnissuche und Wahrheitsfindung nicht nur auf konkrete Fakten angewiesen zu sein und vor dem objektiven Natur-Gesetzlichen, welches letztendlich tot ist, halt machen zu müssen, sondern durch die reine geist- und seelenoffene Anschauung über das Gesetzmäßige hinaus das lebendige Wesen der Erscheinungen unmittelbar in sich selbst erfahren zu können. Hierdurch erweist sich der goetheanistische Phänomenalismus als ein echter esoterischer Erkenntnisweg.

Schönen Gruß!

Bernhard

Avatar

Einige grundsätzliche methoden-kritische Erwägungen

Kosmogonie @, Mittwoch, 06. Juli 2016, 15:55 (vor 862 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Kosmogonie, Mittwoch, 06. Juli 2016, 16:09

Hallo Bernhard!

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Du hast deine Sicht umfassend und gut verständlich dargestellt. Aber ich muß dir darauf antworten - und du wirst es mir hoffentlich verzeihen -, daß diese Darstellung meinen Widerspruch umso mehr herausfordert. Etwa durch folgenden Satz:

Hiermit allerdings fordert er [Julius] insbesondere den kritischeren Leser zu dem für ihn enormen Wagnis heraus, sich intellektuell sozusagen völlig "haltlos" vor das Phänomen zu stellen und dieses ganz auf sein Wesen wirken zu lassen.

Soviel ich sehe, tut er das gerade nicht! Er unterstellt - und mutet dem Leser zu, diese Unterstellung mitzumachen -, daß die Bäume, die er beschreibt, bestimmten Planeten zuzuordnen sind. Das ist zunächst ein Vorurteil, und dieses Vorurteil kommt nicht einmal von ihm selbst, sondern das hat er von Steiner unkritisch übernommen. Man kann hier statt Vorurteil auch nicht von einer Hypothese sprechen, denn Hypothesen werden als solche gekennzeichnet und, so weit möglich, begründet. Die Begründung hätte etwa so aussehen können: "Steiner hat es behauptet. Steiner, so behaupte ich, war ein Hellseher. Als muß er es gewußt haben." Das wäre zwar eine schwache Begründung, aber immerhin.

Leider bist du nicht eingegangen auf meine Kritik an Julius' Zuordnung des Kirschbaumes zum Mond. Mir ist diese Zuordnung nicht ganz klar geworden, und ich streite ab, daß dies meinerseits an einer mangelnden Beherrschung der goetheanistischen (oder phänomenologischen) Methode liege. Wenn jemand alternativ behauptete, der Kirschbaum entspräche der Venus, wie könnte man ihm widersprechen?

Und wenn jemand behauptete, die Birke entspräche dem Saturn? Er könnte sich auf folgende Bemerkung von Julius berufen:

Die Natur scheint sich mitunter einer feinen Koketterie zu bedienen, denn sie zeigt uns das anmutigste und strahlendste unter allen unseren Baumwesen am liebsten auf einem Hintergrund von tiefer Melancholie: die Birken müssen wir in Gegenden suchen, die einen schwermütig-düsteren Eindruck machen.

Er könnte sich ferner auf Steiners Behauptung berufen, daß die Schmetterlinge, die reinsten und anmutigsten Farbwesen unter den Tieren, auf dem Alten Saturn (und nicht auf der lichten Sonne) veranlagt worden seien. Und den Hinweis auf die "feine Koketterie", der sich - nach Julius - die Natur zu bedienen "scheint", könnte er zwanglos als eine rein subjektive Interpretation zur Rettung von Julius' These abtun.

Zur Unklarheit trägt hier offenbar auch die fehlende Charakteristik der Planeten bei. Was den Mond betrifft, so scheint seine Charaktersitik besonders schwierig zu sein. Man kann ihn - wie den Mars und die Venus - mit der Sexualität in Verbindung bringen, ja mit Romantik, aber ebenso mit dem kalt abspiegelnden, unproduktiven Denken. Das alles hätte in diesem Buch erörtert werden müssen. Ich glaube nicht, daß eine solche Erörterung unvertretbar viel Raum hätte einnehmen müssen.

------------

Im Übrigen habe ich Zweifel, ob die Vorgehensweise von Julius in diesem Falle überhaupt die Bezeichnung "goetheanistisch" verdient - sofern man darunter etwa Goethes Ableitung der Urpflanze versteht. Diese ist ja immerhin einsichtig. Davon abgesehen bezweifle ich, daß Goethes Vorgehensweise so einzigartig sei, wie das seitens der Anthroposophen oftmals suggeriert wird.

Was Kranichs Vorgehensweise in vorliegendem Fall betrifft, so hat sie m.E. wissenschaftlichen Charakter. Inwieweit, das ist aber auch hier die Frage. Kranich beschreibt offensichtliche Zusammenhänge zwischen astronomischen und vegetativen Prozessen. Offenbar versteht er diese Zusammenhänge als kausal. Das wäre aber zu klären. Kausalität läuft im physikalischen bzw. astronomischen Bereich anders ab als im Bereich des Lebendigen. Liegt hier eine Kausalität zwischen unterschiedlichen Bereichen vor, oder handelt es sich um Teleologie, oder um Synchronizität? Gerade der Anthroposoph möchte doch nicht nur Beschreibungen hören, sondern wissen, "was die Dinge im Innersten zusammenhält."

-----------

Ich habe mir, reichlich spät freilich, angewöhnt, die Lektüre anthroposophischer Literatur mit der Frage zu verbinden: "Stimmt das überhaupt, was der Autor uns erzählt?"

Dabei denke ich oft an einen Artikel zurück, der vor vielen Jahren in einer anthroposophischen Zeitschrift erschienen ist. Er behandelte den okkulten Hintergrund der damals viel diskutierten AIDS-Epidemie. Sein Autor war Arzt. Der erörterte zunächst, anscheinend fachkundig, einige medizinische Aspekte, etwa über die Viren und Retroviren. Wenn ich mich recht entsinne, brachte er die in Zusammenhang mit den Wesensgliedern des Menschen. Weiter erwähnte er den "Hinweis" von Steiner, daß die Pest-Epidemie des Mittelalters durch astrale Verwesungsstoffe verursacht worden sei, und letztere durch die Ängste, welche in den Europäern angesichts der mongolischen Horden ausgelöst worden seien.

Und nun brachte er seine eigene These an: Die AIDS-Epidemie sei, ungefähr analog zur früheren Pest-Epidemie, ausgelöst worden durch den Holocaust. Wenn ich mich recht entsinne (leider weiß ich den Namen des Autors nicht mehr), begründete er das nicht eigentlich, sondern behauptete es in dem gleichen Stil, wie Steiner es tat, wenn er Derartiges behauptete.

Die These ist ja an sich ganz interessant und bedenkenswert. Aber wie kommt ein wissenschaftlich gebildeter Mensch dazu, sie einfach hinzustellen und nicht als Hypothese zu kennzeichnen? Soweit ich weiß, hat niemand nachgefragt. (Es war damals üblich, Leserbriefe zu schreiben, die auch veröffentlicht wurden.) Man hätte - auch ich hätte - den Autor fragen müssen: "Sind Sie hellsichtig?" Aber es gilt unter Anthroposophen offenbar als unanständig, die Frage nach höheren Fähigkeiten zu stellen und zu beantworten. Das ist auch irgendwie verständlich, denn es könnte ja als Versuch der Bloßstellung ausgelegt werden.

Dabei wäre die Nachfrage in jedem Falle angebracht. Auch den Steiner hätte man öfters mal fragen müssen, wie er zu gewissen Behauptungen gekommen sei. Denn nicht selten hat er sich widersprochen, und bisweilen hat er geradezu absurde, ja unverantwortliche Dinge geäußert. Wobei ich mich jetzt auf Äußerungen beschränke, die nur aufgrund von höheren Erkenntnissen möglich sind. Soweit es um natürliche Dinge geht, etwa um philosophische Positionen, so ist es ja ziemlich leicht, dem Steiner zweifelsfrei zahlreiche und gravierende Fehler nachzuweisen - siehe das Buch von Traub.

--------------

Schließlich möchte ich, anschließend an unsere Diskussion über das Buch von Julius und Kranich, noch ein allgemeineres Anliegen vortragen. Im Grunde dürftest du es schon kennen. Ich meine die Forderung nach einem Überschreiten der bloßen Anschauung oder Beschreibung.

Es geht mir um Kosmologie. Diese hat mit Entwicklung zu tun, und auch mit Wesen, welche die Entwicklung verursachen und gestalten.

Betrachten wir hierzu zwei bei uns vorkommende Wasserschnecken, nämlich

  • die Sumpfdeckelschnecke, und
  • die Tellerschnecke.

Erstere ist lebendgebärend. Die zweite ist es nicht; dafür hat sie, anders als die erste, rotes Blut. In beiden Fällen liegen also progressive Elemente der Entwicklung vor, aber nicht von der gleichen Art. Hier wäre nun zu fragen: Welche Evolutionslinien liegen ihnen zugrunde? Wo sind die Vorläufer dieser beiden Schnecken auf früheren planetarischen Verkörperungen zu suchen?

Das wäre die erste, die genetische Frage, deren Beantwortung ein inspiratives Erkenntnisvermögen voraussetzt. Ich stelle dann aber noch eine zweite Frage: Wer waren die "Erfinder" dieser Schnecken? Was ist in den Erfindern vorgegangen, wie haben sie zusammengewirkt, wie haben sie - möglicherweise - miteinander gestritten? Solche Fragen sind nur mit einem intuitiven Erkenntnisvermögen zu beantworten.

Nach Steiner ist die physische Welt außerhalb des Menschen durch die Exusiai (Formgeister) sowie durch die ranghöheren Dynamis erschaffen worden. Das waren also die "Ingenieure". So vermessen es klingt: Mich interessieren diese Ingenieure. Mich haben auch die Lebensgeschichten der irdischen Ingenieure - etwa der Motoren und der Elektrotechnik - immer interessiert.

Nun soll ja, nach Steiner, die Fähigkeit zur Intuition die am allerschwierigsten zu erringende sein. Aber das sollte man einmal selbstständig bedenken. Intuition heißt hineingehen in ein Willens-Zentrum, also in ein "Ich", noch anders gesagt: in ein Wesen. Indem wir "Ich" sagen, haben wir bereits eine Intuition. Ferner haben wir einen Ich-Sinn zur Erkenntnis anderer Menschen. Die Ich-Wesenheiten der Tiergattungen liegen nur eine Ebene über der unseren; sie sind Gegenstände oder "Ansprechpartner" der Schamanen der Jagd betreibenden Naturvölker.

Dies alles bedenkend, kommt man aber zwangsläufig zu Fragen, welche die Methoden höherer Erkenntnis betreffen, und welche m.E. viel zu selten (oder gar nicht?) gestellt werden. Ich habe ja auf der Hauptseite (Kosmogonie) diesem Thema eine eine Unterseite gewidmet. Es herrscht hierüber viel weniger Klarheit, als die weitaus meisten Anthroposophen vermuten (soweit sie sich überhaupt darüber Gedanken machen). Nicht nur, was die Übungen im Einzelnen betrifft, sondern vor Allem, welche Erkenntnisse mit welchen Methoden gewonnen werden können.

Dabei scheint schon die Einteilung Imagination-Inspiration-Intuition zu ungenau zu sein, um etwa die Frage zu beantworten, was ich tun muß, um die Formstufen von den Lebenstufen allein auf der Erde, oder z.B. auf der Alten Sonne unterscheiden zu können, oder um herauszufinden, welche Tiere und Pflanzen durch welche Wesen auf welcher dieser Stufen aus welchen Gründen entwickelt worden sind. Das sind anscheinend unlösbare Fragen, doch gerade diese sind es, die mich herausfordern.

Um diesem Ziel sich anzunähern, dürfte eine methodisch saubere Vorgehensweise unerläßlich sein. Die akademische Philosophie ist darin vorbildlich. Steiners spätere Einschätzung der akademischen Philosophie ist alles Andere als vorbildlich; er hat sie nämlich erst gewonnen, nachdem er an ihr gescheitert ist. Also, die Aufgabe bleibt!

Beste Grüße
Thomas

Einige grundsätzliche methoden-kritische Erwägungen

Bernhard, Freitag, 08. Juli 2016, 14:34 (vor 860 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Bernhard, Freitag, 08. Juli 2016, 14:37

Hallo, Thomas!

Ich fände es einigermaßen langweilig und in gewisser Hinsicht auch bedenklich, wenn meine Anschauungen vor Dir keinen Widerspruch (mehr) provozierten. Kritik jeder Art und akribisches detailliertes Nachfragen sind für mich die beste Schule, um dasjenige, was ich wirklich zu verstehen glaube, auch auf felsenfestem Boden logisch, vernünftig und sinnvoll darzulegen und zu begründen fähig zu werden. Diese erlernbare Kunst gipfelt in der wahren Meisterschaft, gleichermaßen die Dinge bildhaft-symbolisch und metaphorisch, mit spiritueller Seelenfülle sowie mit exakt wissenschaftlichem Duktus zum Ausdruck bringen zu können. Anders gesagt: Man wird ein Meister der dreifachen Disziplin des Erzählens, indem man kosmische Weisheit imaginativ schauend der kindlichen Seele durch Bilder, Märchen und Mythen, inspirativ erlebend dem religiösen Gemüt durch herz be-wegende moralische Unterweisung, und intuitiv erkennend dem strebenden Geist durch hell- und klarsichtige wissenschaftlich konsequente Theoretik nahezubringen vermag.

Rudolf Steiner hat wiederholt betont, wie desto schwieriger es wird, die rechten Worte zur Beschreibung übersinnlicher Wahrnehmungen zu finden, je höher man in die geistige Welt hinaufsteigt. Von daher ist es für mich nicht verwunderlich, dass - meines Wissens nach - innerhalb der gesamten okkultistischen/esoterischen Literatur so gut wie gar keine konkreten, dem "Anschein" entsprechenden Charakterisierungen z.B. von übersinnlichen Wesenheiten existieren. Selbst etwa da, wo Steiner sagt: "Sie müssen sich diese Wesen so oder so vorstellen...", erhält man nichts weiter als vergleichbare bzw. vergleichende Bilder, die aus der konkreten, end-gültig ge-wordenen irdischen Ebene genommen sind - mithin also möglicherweise kaum hinreichend dasjenige vorstellen, was er wirklich gesehen hat; und schließlich kulminiert für den Steiner-Kritiker das Problem auf dem Zenit der Authentizitätsfrage, wo für ihn offen bleibt, ob Steiner seine "Schauungen" denn überhaupt objektiv und "wirklichkeitsgetreu" genug wiedergegeben hat, oder ober er Täuschungen, die als solche zu enttarnen er nicht fähig gewesen, unterlegen war. -

Bleibt also uns geistigen Embryonen und Kindern vor dem Mitgeteilten zuletzt nichts anderes als die skeptische Diskretion - oder es demütig hinzunehmen und zu glauben.

Die "Seligkeit" dessen, der "nicht sieht", aber "dennoch glaubt" bezieht sich nicht auf den denkfaulen trieb- und genuss-orientierten Leicht-Gläubigen, sondern auf denjenigen, dessen gesundes Herzensorgan entwicklungs- bzw. karmisch bedingt über seiner geistigen Kapazität steht und mittels derer er die übersinnlichen Tatsachen - zumal als solche - eigenständig konstatieren und verstehen könnte, der also nicht klar bewusst deren Wesenskern erkennt, ihn aber desto sicherer traumartig erfühlt und erspürt. Somit lässt das Gesetz, wonach das Untere das Obere trägt und es bei seinem Aufstieg mit sich führt, den Schluss zu, dass die reine jungfräuliche Seele, indem sie ehrfürchtig glaubend das geistig für sie verhüllte Mysterium in sich bewahrt und pflegt, hierdurch auch den noch schlafenden Geist emporzuheben und ihn zu seiner Entfaltung zu helfen vermag. -


Dies soll beiweitem keine Schmähung Deiner kritischen Gedanken sein, sondern meine verzweifelte Antwort auf all Deine subtilen Fragen, die selber einigermaßen befriedigend beantwortet zu bekommen ich ebenso danach lechze wie Du! Freilich, die ungeheure Forderung unseres Zeitalters, die höheren und höchsten Geist-Erkenntnisse
mit unseren Verstandeskräften zu erringen und zu durchdringen, ist von denjenigen, die dessen fähig sind, wohl leicht gepredigt; und dass hierzu der sogenannte "Gute Wille" wenigstens anfänglich schon hinreichen und den "ersten Schritt" in die gesetzte Richtung führen soll, wage selbst ich bisweilen zu bezweifeln - trotz der möglichen Aussicht, in folgenden Inkarnationen damit weiterzukommen. - Bleibt zu hoffen, dass unsere Willens-Tugenden der Beharrlichkeit und des Langmuts auf Dauer nicht in borniertem Automatismus erstarren und zuletzt unseren Erkenntnis-Fortschritt zum Stillstand zwingen. -


Selbstverständlich möchte ich auf Deinen Beitrag noch konkret eingehen. Dies ist mir zeitbedingt jetzt nicht mehr möglich, aber ich werde versuchen, noch heute Abend fortzusetzen, spätestens am Sonntag.


Lieben Gruß!

Bernhard

Einige grundsätzliche methoden-kritische Erwägungen

Bernhard, Sonntag, 10. Juli 2016, 20:04 (vor 857 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Bernhard, Sonntag, 10. Juli 2016, 20:37

Hallo, Thomas!


Nachdem ich mich von meiner Enttäuschung nun etwas erholen konnte, hier nun meine angekündigte Fortsetzung:

Zunächst zu Deiner Ansicht, Julius mute dem Leser zu, die von ihm propagierte Beziehung zwischen Bäumen und Planeten schlichtweg als gegebene Tatsache hinzunehmen. - Im Grunde hat die Aussage, wonach die Bäume in welcher Weise auch immer mit den Planeten zusammenhängen, den gleichen inhaltlichen Wert wie etwa der Satz: Der Garten steht in Beziehung zum Hausherrn. - Man ist keinesfalls genötigt, jene Aussagen blindlings für wahr zu nehmen, denn ihr völlig neutraler Duktus stellt dem gesunden Denken frei, ihnen zu glauben, sie zu akzeptieren, abzulehnen oder zu ignorieren. Sofern man jedoch die Behauptungen hinterfragt, kommt man auf logischem Wege ihrem Wahrheitsgehalt auf die Spur. -

Sodann: Goethe fand seine "Ur-Pflanze" nicht nach der phänomenologischen Methode, er hätte sie auf diese Weise sicher nicht gefunden. Die phänomenologische Anschauung erspürt in den Erscheinungen deren ihnen übergeordnete Natur-Gesetzmäßigkeit und Sinngebung, welche aber nicht die Ur-Idee, das ideale Vor-Bild des sinnlich (er-)fassbaren Wesens dem inneren Auge vor-stellen. Vielmehr entdeckte Goethe dieses geistige Ur-Vor-Bild des Pflanzen-Typus, indem er mathematistisch - wohl unterstützt durch imaginative Erkenntnis - sozusagen eine ideelle "Schablone" konstruierte, mittels derer als universales Ur-Maß speziell der Blütenpflanzen-Typus erkundet werden kann. - Ganz anders hingegen Goethes "Metamorphose": Hierin vergleicht er den Menschen mit dem Tier anhand ihres jeweiligen Skelettbaues und kommt zu dem Schluss, dass 1. das Wesenhafte zwischen beiden Typen extrem divergieren muss, und 2. diese Divergenz aufgrund der Horizontal-Vertikal-Achsenstellung, welche deren Wirbelsäulen gegeneinander aufweisen, und aufgrund des Schädelbaues beider, ihren Bogen spannt zwischen der irdisch-physischen und der kosmisch-geistigen Sphäre. Die Erkenntnis dieser Betrachtung gipfelt u.a. in der Konstatation: Indem das (höhere Säuge-)Tier in die horizontale Leibeshaltung gebannt ist, ist sein Wahrnehmungshorizont auf die horizontal-irdische Seinsebene beschränkt; und da sein Schädel am vorderen Ende der Wirbelsäule "nur aufgehängt" ist, vermag es ihn nicht über die Wirbelsäule hinaus zu erheben und dadurch sein Gehirn den kosmisch-geistigen Einflüssen bewusst zu öffnen. - Damit erfüllt Goethes Vergleich zwischen Tier und Mensch die ausschlaggebenden Kriterien der phänomenologischen Betrachtungsweise. -

Was die Aussage betrifft, wonach die sogenannte AIDS-Epidemie die(!/?) Ursache des Holocaust sein soll, so muss sie als desto fragwürdiger befunden werden, als sie weder natur- noch geisteswissenschaftlich plausibel begründet ist - zumal, weil - wie Du ganz richtig zu bedenken gibst - des Autors spirituelles Niveau völlig unklar ist. -

Trotzdem: Pauschal lassen sich jenes Autors Aussage und die Aussage Rudolf Steiners zur Pest-Ursache sinnbezogen nicht gleichsetzen. Da wir - das setze ich jetzt einfach mal voraus - um die hellsichtige Begabung Steiners wissen, dürfte zumindest seiner Behauptung annähernd geglaubt werden und diese sich - in welcher Weise auch immer - als vernünftig nachvollziehbar erweisen. -

Sofern Dir die okkulte Arzneilehre des Paracelsus im Wesentlichen geläufig ist, weißt Du, dass der natursichtige Heiler grundlegend zwischen fünf möglichen Krankheitsursachen unterscheidet:

Ens astrale - Ens veneni - Ens naturale - Ens spirituale - Ens deale.

Was diese paracelsischen Ursachen im Einzelnen bedeuten, müsste ich nachlesen. Jedenfalls beziehen sie sich auf bestimmte Gestirnkonstellationen, auf die Ernährung, auf die Einwirkung durch Gifte (auch solche, die der Körper durch Fehlernährung in sich erzeugt), auf die Vererbung, auf die seelisch-geistige Konstitution (also Temperament und Charakter), auf das seelisch-geistige Befinden und Verhalten, auf göttliche Fügung etc. - Ich will damit nur mutmaßen, dass Steiners Aussage den Grundprinzipien jener Lehre zugrunde liegen und er diesbezüglich eine bzw. zwei Ursachen (er führt ja wiederum die atmosphärische Verseuchung auf die astralische Kräftewirkung massenhafter permanenter Verfolgungsängste zurück) der Pest-Epidemie im Auge gehabt haben könnte. -

Inwieweit der von Dir zitierte Autor tatsächlich auf übersinnlichem Wege die AIDS-Ursache erfahren oder schlichtweg - wenn auch vielleicht genial - spekuliert hat, kann nur ein anderer Hellseher klarstellen - und frühestens die Zeit selber enthüllen, wenn das Gros der Menschheit ihr inneres Schauen entwickelt haben wird. -

Schließlich bin ich betreffs des merkwürdigen Phänomens der unterschiedlichen Blutbildung bei Sumpfdeckelschnecke und der Tellerschnecke eben so überfragt wie Du. Allenfalls würde ich eine Erklärung im Hinblick auf die Gehäuseformen anstellen: Die Tellerschnecke ist, anders als die Sumpfschnecke, flach gewunden, sodass allein an ihrem Gehäuse nicht dessen tatsächliche Windungsrichtung - als entscheidendes Gattungsmerkmal! - bestimmt werden kann. Vielleicht kommt man auf die richtige Spur, wenn man davon ausgeht, dass erst die Entwicklung von der flachen Gewindeform hin zur pyramidalen bzw. zylindrischen die Hämoglobinbildung voraussetzt oder begünstigt, was anders ausgedrückt hieße, dass das rote Blut erst innerhalb der dreidimensionalen Räumlichkeit sich wesensgemäß darleben oder als potenzielles Medium eines künftigen ICH-Trägers vorbereiten kann. Wenn ich die Evolutuion des Tierreiches von KeTHeR bis hinab zu MaLCHUTH qabalistisch verfolge und konstatiere, dass in der Saturn-Sefirah BINaH die Throne "erst" mit der Schöpfung des zweidimensional Flächigen "beschäftigt" sind, sodann danach in der Jupiter-Sefirah CHeSeD die Kyriotetes die räumlich-körperlichen Gestaltungen aufbauen und zuletzt in der Mars-Sfirah GeVURaH die Dynamis diese Körper korrigierend-formend modellieren - so würde für mich möglicherweise einsichtig werden, dass zuletzt in der Sonnen-Sefira THiFEReTH die Exusiai, indem sie der lebendigen Form rotes Blut zufließen ließen, ihr erstes "Es ist vollbracht!" ausgejauchzt haben könnten. - Auf unsere beiden Mollusken übertragen: Die Throne erschaffen die Tellerschnecken, die Kyriotetes erschaffen zusammen mit den Dynamis die Sumpfschnecken. Durch diese beiden Hierarchien aber erhalten sie noch kein rotes Blut, sondern erst durch die mit dem "Ur-Efinder" verbundenen Exusiai, die sie aus den Händen der darüberliegenden Hierarchien zur Vervollkommnung ehrfürchtig-liebevoll entgegengenommen haben. Betrachtet man nun die bluttragende Sumpfschnecke als einen "Idealtypus" innerhalb der Molluskenfamilie, dessen Vor-Bild rein geistig in der trans-stellaren Sefirah KeTHeR zu finden ist, so erwiese sich diese Gattung/Art als das eigentliche Ziel ihrer "Erfinder", den Cherubim, während die Tellerschnecke gewissermaßen nur ein "Nebenprodukt" der saturnischen Throne darstellt. Diese letztere ist entwicklungsmäßig auf der Saturn-Thronen-Stufe stehengeblieben, dort "ausgehärtet" und mithin keiner weiteren Form- und Gestaltveränderung mehr zugänglich. - Der Einfluss der Dynamis bei der Gestaltung des Sumpfschnecken-Gehäuses mag sich insbesondere durch die das GeVURaH-Prinzip auszeichnende Asymmetrie-Bildung zeigen, denn während das flächige Gewinde der Tellerschnecke immerhin einseitig-symmetrisch ist, stellt das pyramidale bzw. kegelige Türmchen der Sumpfschnecke mit seinen drei ungleichen Raumebenen ein vollkommen asymmetrisches Gebilde dar. Dieser Tatbestand macht zuletzt auch deutlich, dass die flächige Spiralform, sobald sie aus der Sphäre der Throne an die nächstunteren raumschaffenden Kyriotetes weitergereicht wird, gleichzeitig und unmittelbar auch zum Werk- und Spiel-Zeug der benachbarten Dynamis wird. -


Damit habe ich nun doch etwas mehr geschrieben als zuvor gelöscht.

Nun freue ich mich auf Deine Ansichten hierüber!


Lieben Abendgruß!

Avatar

Drei Themen, drei Ausblicke

Kosmogonie @, Montag, 11. Juli 2016, 00:50 (vor 857 Tagen) @ Bernhard

Vielen Dank für die ausführliche und gehaltvolle Antwort. Im Wesentlichen sind es drei verschiedene Themen, die du behandelst:

  • Goethes Vorgehensweise
  • Paracelsische Medizin
  • Kabbala in Verbindung mit Kosmologie

Daraus müßte man eigentlich drei verschiedene Threads machen. Ich kann hier also nur in Ansätzen darauf antworten.

Mit Goethes Vorgehensweise bin ich noch nicht gut vertraut. Nur sollten wir uns im Klaren sein, daß der Ausdruck "Phänomenologie" sehr verschiedene Bedeutungen hat, abhängig vom Autor, der ihn gebraucht. Hier scheint er wohl nichts weiter als unvoreingenommene Beschreibung zu bedeuten. Bei Husserl bedeutet er sehr viel mehr, unter Anderem auch Ontologie. Wahrscheinlich werden wir darauf noch mehrfach zurückkommen.

Die Paracelsische Medizin ist mir bislang ziemlich fremd. Sofern sie für die Kosmologie bedeutend ist, könnte man sie bei Gelegenheit hier diskutieren.

Am interessantesten sind für mich deine Ausführungen über die beiden Schnecken-Arten. Allerdings muß ich dich darauf hinweisen, daß du anscheinend nicht richtig gelesen hast (was dich mit Steiner verbindet ;-) ), denn ich schrieb sinngemäß:

  • Die Tellerschnecke hat rotes Blut, ist aber nicht lebendgebärend;
  • die Sumpfdeckelschnecke hat kein rotes Blut, ist aber lebendgebärend.

Gleichwohl ist es natürlich ein interessanter Gedanke, die räumlichen Eigenschaften dieser Tiere in Betracht zu ziehen und daraus kosmologische Beziehungen abzuleiten. Da mir das kabbalistische System aber fremd ist, vermag ich den möglichen Tiefsinn dieses Aspektes nicht voll zu würdigen. Anderseits bin ich an einer Stelle meiner Hauptseite (Kosmogonie), nämlich: Einleitung, Abschnitt 7, auf die lurianische Kabbalah eingegangen, in Auseinandersetzung mit G.Röschert. Vielleicht könntest du - am Besten in einem gesonderten Thread - deine kabbalistischen Kenntnisse ausführen und auch entsprechende Literaturangaben bringen.

Dreidimensionalität hat es, wenn ich richtig verstehe, auch schon auf dem Alten Mond gegeben, verkörperte Ichwesen aber nicht. Die Sache mit dem Raum und seiner Entstehung ist überhaupt ein schwieriges Thema, zumal Steiner diesbezüglich widersprüchliche Beschreibungen gibt (siehe meine Hinweise in der Kosmogonie).

Mehr kann ich zunächst nicht dazu sagen. Aber wir werden schon weiterkommen.

Gruß!
Thomas

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum