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Expertenfrage: Was geschieht durch höhere Erkenntnisse in den Wesensgliedern wirklich?

Kosmogonie @, Freitag, 27. Mai 2016, 20:15 (vor 905 Tagen)

Vergleicht man Schriften Steiners, die sich mit Imagination, Inspiration und Intuition befassen, so finden sich zwei unterschiedliche Erläuterungen, die nicht miteinander harmonisieren, und die - meines Wissens! - auch in anderen Schriften oder Vorträgen Steiners nicht miteinander in Einklang gebracht werden.

In der "Geheimwissenschaft" können wir nachlesen, daß Imagination ermöglicht werde durch Veränderungen im Astralleib, Inspiration durch solche im Ätherleib, und Intuition durch solche u.A. im physischen Leib. Für die ersten beiden Erkenntnisstufen werden die Veränderungen detailliert beschrieben.

In "Philosophie, Kosmologie und Religion" (1922) wird - geradezu in Widerspruch hierzu - ausgeführt, daß man während der Imagination im Ätherleib lebt und während der Inspiration im Astralleib.

Für die Intuition ergibt sich insofern kein Widerspruch - außer, wenn man noch die "Stufen der höheren Erkenntnis" (1905-1908) heranzieht, wonach die Intuition allein im Ich stattfindet, nachdem die vorherigen Unterlagen - Sinneswahrnehmung, Bild-Erleben - schon während der Imagination und Inspiration ausgeklammert worden waren. So besehen, kann man sich fragen, warum für die Intuition ausgerechnet im physischen Leib noch irgendwelche Veränderungen stattfinden sollten.

In dem Werk von 1922 ist zwar von Spiegelungsvorgängen die Rede, welche zumindest den Vorgang der Inspiration ein wenig aufzuhellen scheinen. Eine wirkliche Klärung findet aber nicht statt.

Ich habe das Problem gründlicher auf der Kosmogonie-Hauptseite ausgeführt: Zur Evolution der Erkenntnisorgane.

Expertenfrage: Was geschieht durch höhere Erkenntnisse in den Wesensgliedern wirklich?

Bernhard, Samstag, 28. Mai 2016, 10:30 (vor 904 Tagen) @ Kosmogonie
bearbeitet von Bernhard, Samstag, 28. Mai 2016, 10:36

Hallo, Thomas!


Eine wirklich komplizierte Frage für einen wirklichen Spezialisten - und vor allem erfahrenen Eingeweihten... -

Die Fragestellung verwirrt mich etwas. Wie ist das gemeint: Was "tut" z.B. die intuitive Erkenntnis im Astrallaib, usw. - Muss ich mir die Frage in dem Sinne stellen wie etwa: Was geschieht in meinem Magen, während ich unmittelbar (sinnlich) eine ekelerregende Situation erlebe? - Oder: Wie verhält sich meine Mimik, wenn mir jemand etwas Anstößiges ins Gesicht sagt? -

Ich meine, an der jeweiligen Äußerung meines Magens bzw. meiner Mimik ist ja wiederum erkennbar, dass ich etwas entsprechend Sinnliches erleben muss und dieses jeweilige Erlebnis auch differenziert werden kann - sofern man die notwendigen Kenntnisse hierüber voraussetzt...

Ich habe Deine Hinweise von Steiner gelesen und finde auch recht Widersprüchliches in Steiners Aussagen, mit denen ich auch anhand meiner eigenen Kenntnisse nicht viel anzufangen weiß. Da befinde ich die klare und übersichtliche Grundaufstellung Tombergs schon wesentlich besser für eine solide Einarbeitung geeignet.


Lieben Gruß

Bernhard

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Expertenfrage: Was geschieht durch höhere Erkenntnisse in den Wesensgliedern wirklich?

Kosmogonie @, Samstag, 28. Mai 2016, 20:59 (vor 904 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Kosmogonie, Samstag, 28. Mai 2016, 21:02

Guten Abend, Bernhard!

Was Tomberg betrifft, so ist seine Darstellung (die ich nach eigenem Ermessen tabellarisch dargestellt habe), zwar neu und interessant, verglichen mit dem, was man von Steiner bereits kennt. Aber daß damit das Problem nicht gelöst wird, ja eher noch weitere Fragen entstehen, habe ich ja dort erwähnt. Denn Tomberg erklärt nicht, wie er zu seinen zusätzlichen Unterscheidungen gekommen ist, oder wie man selbst darauf kommen kann.

Ich entnehme deinen Äußerungen Verwunderung darüber, daß die Erkenntnis höherer Welten Gegenstand einer Untersuchung sein soll. Aber das ist ja der Sinn und das Auszeichnende der anthroposophischen Forschung: daß man sich mit jedem Schritt völlig im Klaren ist, was man tut. Versucht man es mit Drogen oder mit Atemübungen, so kennt man die inneren Vorgänge nicht, und da interessiert es einen auch nicht. Darum hat man dann auch keine Kontrolle darüber, was einem begegnen wird.

Diesen Kontrollverlust, den darf es in der anthroposophischen Forschung nicht geben. Darum hat ja Steiner auch so großen Wert darauf gelegt, das Denken und die Selbstbeobachtung des Denkens zum Ausgangspunkt zu machen. Im Denken ist man wirklich frei; man weiß was man tut. So soll es sein.

Wie dem nun sei, meine Überlegungen werden weitergehen. Ich glaube, daß ich zur Lösung kommen werde. Hier muß man einfach hartnäckig bei der Sache bleiben, also eine meditative Haltung einnehmen.

Hast du eigentlich schon mal gemäß den Steinerschen Anweisungen meditiert? Ich habe es, offen gesagt, noch nicht getan, es sei denn durch das tägliche meditative Gebet. Allerdings ist auch das Sich-Versenken in die Einzelheiten und in das Gesamtbild der Kosmologie ein meditativer Akt, und zwar ganz sicher ein gesunder und hilfreicher.

Es kommt auf die ständig wiederholte Kraftanstrengung an. Viele Menschen betreiben heute Muskeltraining. Ich weiß nicht, ob es heute mehr sind als früher, aber es wird, wie mir scheint, immer mehr darüber geredet. Und es könnte sein, daß damit im Sinne von Widersachermächten abgebogen wird, was eigentlich geübt werden sollte: das eigene Denken, Fühlen und Wollen zu trainieren. Steiner vergleicht ja Denk- oder Meditationsübungen oft mit Übungen zum Muskeltrainung.

Natürlich ist regelmäßiges körperliches Training immer gut und sollte Teil einer durchdachten Lebensführung sein. Aber worauf es gegenwärtig viel mehr ankommt, ist geistiges Training.

In diesem Sinne!
Thomas

Expertenfrage: Was geschieht durch höhere Erkenntnisse in den Wesensgliedern wirklich?

Bernhard, Samstag, 28. Mai 2016, 23:19 (vor 904 Tagen) @ Kosmogonie

Hallo, Thomas!


Danke für Deine Anmerkungen!

Also, ich halte den rein denkerischen Ansatz, um sich den höheren Welten nähern zu können, als für den wichtigsten, einfach deshalb, weil das gesunde, vernunftvolle logische Denken vor den gefährlichsten Irrtümern und Illusionen schützt - wovor man mit äußeren bequemen Hilfsmitteln (Drogen) und diversen "Atem-Übungen" etc. geradezu nicht gefeit ist.

Ich selber konnte mir vor etwa zehn Jahren die (nicht immer) tägliche Abendübung, die konkrete Tages-Rückschau, angewöhnen. Das ist bislang alles bei mir. Was die Elementar-Übungen betrifft, Die "Feuer"-, "Wasser"-, "Luft"- und "Erde-Probe", gibt mir das tägliche Leben - finde ich - selber hierzu Gelegenheiten in Fülle, und ich stelle fest, zumindest in diesen täglichen Prüfungen eine solide und wirkungsvolle Schule für die höheren Wesensgliede zu haben. Auch meditiere ich viel, ebenfalls fast täglich, wobei ich keine Schwierigkeit habe, dies in der Ruhe meiner Häuslichkeit, in einer stimmungsvollen Natur-Umgebung oder während einer U-Bahn-Fahrt effektiv tun zu können. Ich sage Dir sicher nichts Neues, wenn ich konstatiere, dass man schon auf dem meditativen Weg - geschultes konkretes Denken vorausgesetzt - zu hoch bedeutsamen Erkenntnissen gelangt...

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