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Märchenbilder mit kosmologischem Hintergrund erfordern inspirierte Erkenntnis

Kosmogonie @, Donnerstag, 26. Mai 2016, 16:41 (vor 903 Tagen) @ Bernhard
bearbeitet von Kosmogonie, Donnerstag, 26. Mai 2016, 22:37

Hallo Bernhard,

zunächst eine Detailfrage:

dass in den echten Märchen jedes Detail bedeutsam ist. Im Falle von "Schneewittchen" z.B. der Kamm, das enge Mieder, die Apfelfrucht; sodann die Körperregionen, wo diese potentiellen Tötungsmittel zu Einsatz kommen: Kopf/Haare (Kamm), Brustregion/Thorax (Mieder), Unterleib/Stoffwechselregion (Apfelfrucht als Nahrung)... -

Soweit habe ich nicht gleich gedacht. Aber du hast recht. Ich meine, daß man darüber durchaus auch Mutmaßungen anstellen darf und sollte.

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Die psychologische Märchen-Auslegung fällt - zumal uns beiden, wie ich meine - nicht sehr schwer. Die kosmologische wiederum ist zumindest für mich selber schon weitaus schwieriger, aber um nichts weniger reizvoller als erstere.

Sie ist schwieriger, insofern sie kosmologische Kenntnisse - zumindest ein kosmologisches Interesse - voraussetzt. In der Kosmologie handelt es sich um Vorgänge als Offenbarungen höherer Wesen. Um diese zu erkennen, braucht man die inspirative Erkenntnisse.

Zur Verdeutlichung:

Eine kosmologische Deutung des kinderfressenden Kronos gab Steiner (ich weiß nicht mehr an welcher Stelle): Es handle sich um den Vorgang der Spiegelung auf dem Alten Saturn. Was von außen zum Saturn geschickt wurde, das wurde zurückgespiegelt und am Ursprung wieder aufgenommen, "aufgefressen".

Ebenso der Mythos von irgendwelchen Riesen, die Steine hinter sich werfen, aus denen dann Pflanzen (?) wachsen: Das verbildlicht den Vorgang der sexuellen Fortpflanzung, die damals (in der frühen Atlantis) aber noch unbewußt verlief.

Anders steht es mit der Sage von der Gralsburg. Dabei handelt es sich um die Verbildlichung von Vorgängen, die wir beim Einschlafen erleben oder erleben würden, wenn wir wach bleiben könnten, siehe GA 145-6.

Noch persönlicher sind die Träume, welche körperliche Vorgänge abbilden, oder Vorgänge, die mit dem Einschlafen und Aufwachen direkt zu tun haben. Ich z.B. träume häufig, am Rande von hohen Gebäuden zu stehen, und empfinde dabei deutliche Höhenangst. (Oft weiß ich aber schon, daß ich kurz vor dem Aufwachen bin, und lasse mich dann "todesmutig" fallen, was wiederum angenehm ist.) Oder ich krieche in sehr enge Kellergänge hinein, was mir, wenn überhaupt, dann erst ganz zuletzt Angst macht. Oder ich fahre einen Lkw (meine frühere Erwerbstätigkeit) und rolle zurück, obwohl ich versuche, zu bremsen; eigentlich müßten dadurch katastrophale Folgen eintreten, aber es passiert nie wirklich Schlimmes. Früher habe ich auch sehr häufig von nächtlichen Eisenbahnfahrten geträumt.

In der Kosmologie aber hat man es mit Gesetzmäßigkeiten, darunter auch Zahlenverhältnissen zu tun. Das ist etwas, was mich stark anspricht. Aus genau diesem Grunde war auch die Astrologie für mich während vieler Jahre interessant. (Ich habe mich von ihr abgewandt, weil ich meine Erwartungen an sie nicht erfüllt sah.)

Auch Mathematik und Logik gehören in diesem Zusammenhang erwähnt. In jedem Falle spielt hier das inspirative Element eine Rolle. Bezeichnenderweise schreibt Steiner in den "Stufen der höheren Erkenntnis", daß man zum Erwerb der inspirativen Erkenntnis das höhere Fühlen (nicht das Vorstellen, wie bei der Imagination) ausbilden muß, wobei er besonders das Gefühl für Wahrheit und Unwahrheit hervorhebt. Und darum geht es ja in der Mathematik und Logik. Auch wenn es zunächst geradezu paradox erscheint, Gefühle und Logik in einen Zusammenhang zu bringen. Aber es sind ja, was manche Menschen nicht begreifen, objektive Gefühle, Weltgefühle. Logik ist nicht zwangsläufig leerer Schematismus. Logik kommt von Logos, dem Wort. Jede Aussage ist ein Verhältnis zwischen dem Sprechenden und dem Ausgesprochen, also ein Wahrheits-Verhältnis; und jeder Dialog ist ein rhythmisches Verhältnis zwischen zwei Sprechenden, fundiert in den Herz- und Atemrhythmen.

Wir sollten nicht bei der Imagination stehenbleiben!

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Ich möchte mir mal, sofern ich sie mir leisten kann, die indischen Veden vornehmen, welche mit ihrer aparten Bildersprache und sinnreichen Themenqualität den westlichen Mythen in nichts nachstehen. -

Damit habe ich mich bisher noch nicht befaßt. Aber vielleicht könnte mich das auch interessieren. Vielleicht.

Beste Grüße zum Feiertag!
Thomas


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